II. Brief an von Feldess und von Zobel

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Piotr Cebulski
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II. Brief an von Feldess und von Zobel

Beitrag von Piotr Cebulski » Donnerstag 28. Dezember 2006, 00:38

Sehr Geehrte Frau von Zobel,
Sehr Geehrter Herr von Feldess,

Nach der furchtbaren Nacht, als wir jenes unterirdische Heiligtum - oder vielleicht besser: Unheiligtum - betraten, in dem ein unglückliches Leben ein noch unglücklicheres Ende fand, war mein Kopf nicht zu mehr zu gebrauchen, als ihn in meine Hand zu legen, den Ellenbogen auf meinen Schreibtisch zu stützen und zu grübeln. Es ist mir unmöglich, abstrakte politische Geschehnisse zu analysieren, wenn bereits eine solche Ungerechtigkeit, die doch einen jeden Mensch in uns zu Tränen rühren und mit Entsetzen erfüllen sollte, von den Behörden totgeschwiegen wird. Auf diese Weise taub für alle anderen Belange der Welt, habe ich ein paar Nachforschungen angestellt - vielleicht kann mir Frau von Zobel bestätigen, dass dies die richtige Art und Weise ist, mit einem schlimmen Geschehniss wie diesem umzugehen. Was auch immer ihr Rat sein mag - ich kann einfach nicht untätig herumsitzen...

Auf der Suche nach einem Antiquitätenhändler, der die kleine Statuette identifizieren könnte, bin ich auf einen Mann namens Walther Hagedorn aus Danzig gestossen. Er wurde mir von dem Händler in der Goethestr. empfohlen & nachdem ich Herrn Hagedorn eine genaue Beschreibung unserer kleinen hölzernen Frau Otyla geschickt hatte, ist etwas merkwürdiges passiert. Ohne weitere Nachfrage hat er alle an der Öffnung des Altars Beteiligten eingeladen, zu ihm nach Danzig zu kommen und ihm die genauen Begebenheiten unseres nächtlichen Abenteuers zu schildern. Ausserdem hat er für die Statue 300 Reichsmark geboten, wenngleich selbige selbstverständlich momentan nicht verkäuflich ist, ist das doch eine Menge Geld. Kann diese Statuette vielleicht das Motiv für den Mord an diesem armen Teufel gewesen sein?

Ich habe Sie beide Herrn Hagedorn gegenüber in meinem letzten Schreiben erwähnt und er hat mir in der Einladung drei Zugkarten geschickt, ausgestellt mit dem Zielort Danzig. Meinen Sie, wir sollten das Angebot annehmen? Im Grunde fühle ich mich Herrn Unverzagt gegenüber verpflichtet, da die Behörden momentan Arbeiter lieber selbst ins Grab befördern bezweifele ich, dass die Ermittlungen überhaupt durchgeführt werden.


So schliesse ich mit betrübten Herzen,

Piotr Cebulski
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."

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