VI. Auf der Wache

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Der Mentor
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Der Mentor »

Inspektor Trosin schnaubt verächtlich, doch spart sich eine Erwiderung. Möglicherweise nehmen ihn seine um den sonderbaren Fall kreisenden Gedanken zu sehr in Beschlag, vielleicht ist es auch die Zerstreutheit der Nacht, die ihn entsprechender, schlagfertiger Worte beraubt.

Mürrisch entlässt er euch nach dem Unterzeichnen eurer Aussagen wieder in die nächtliche Danziger Freiheit.

Die Uhr zeigt 1:38, als ihr vor der Wache auf nass glänzendem Kopfsteinpflaster und unter sternenklarem Himmel Halt macht. Es scheint während eures Aufenthalts geregnet zu haben und die Luft ist zwischenzeitlich merklich kühler geworden. Ein schneidender Wind weht durch die menschenleere Straße und lässt euch nach der vormaligen Wärme der Amtsstube frösteln.
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146
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Piotr Cebulski
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Piotr Cebulski »

"Was sollen nur ein Wolf und ein hinkender Verfolger zumeinsam haben und wie es geht jetzt weiter für uns alle?", fragt Piotr in die Runde, rafft seine Jacke enger und nimmt die Brille von der Nase. Er haucht gegen die Gläser und beginnt, sie im Schein einer nahen Laterne zu putzen, wobei er euch müde aus kleinen, glasigen Augen mustert.
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."
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Francesca Satorielli
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Francesca Satorielli »

Das ist alles wirklich sehr merkwürdig, vielleicht ein Wehrwolf ahahahahahaha,
lacht Francesca, allerdings nicht wirklich überzeugend, und gähnt nun ebenfalls herzhaft,
also für heute muss ich in meine Bett,
sie stockt kurz,
und morgen stehen Aufräumarbeiten im Museum an, oh Gott ich will gar nicht dran denken...
Nachdem sie einen Moment besorgt den Kopf geschüttelt hat, fügt sie hinzu,
Vielleicht können wir uns morgen Nachmittag treffen und darüber sprechen.
Schlägt Francesca vor und wendet sich darauf an Sorina,
Was meinen Sie Frau Pupescu, wollen wir uns gemeinsam ein Taxi suchen, wir haben ja den gleichen Heimweg? Und alleine nach Hause traue ich mich heute gewiss nicht.
Fantastische!
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Dr. Bernadette von Zobel
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Dr. Bernadette von Zobel »

"Ich denke auch, wir sollten uns alle ersteinmal ausruhen, und ausschlafen und von den Ereignissen dieses Tages erholen", entgegne ich Francesca mit einem müden aber freundlichen Lächeln auf den Lippen. Ich blicke dann zum Rest meiner Begleiter und füge nach einem kurzen Gähnen hinter vorgehaltener Hand hinzu: "Was halten die Herrschaften davon, wenn wir uns der Einfachheit halber wieder am Museeum treffen, wir könnten das Fräulein Francesca dort nach Feierabend abholen und bei einem guten essen über die Vorkommnisse sprechen?" "Und eher zu sich selbst murmelnd: Ich darf nicht vergessen Herrn Hagedorn zu kontaktieren." Ich krame meinen Kalender aus der grossen Tasche und vermerke: Hagedorn anrufen! darin am morgigen Tag.
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Piotr Cebulski
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Piotr Cebulski »

"Ausruhen, ja ...", wiederholt Piotr Bernadettes Worte mit sichtlichem Wohlgefallen an deren Klang.
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Gustaver von Feldess
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Gustaver von Feldess »

"Ein Werwolf, was für ein Unsinn", sagt Gustver nüchtern, ohne Francesca persönlich anzusprechen. "Was kommt als nächstes? Wandelnde Mumien im Museum oder vielleicht Tote, die sich aus ihren Gräbern erheben? Also mir reicht es für heute mit derartigen Spekulationen. Ich bin sicher, dass es für all das eine rationale Erklärung gibt und dass sie sich uns mit ausgeruhtem Kopf eher eröffnen wird."

Noch einmal zückt er einen Zigarillo und entzündet ihn, dann sagt er zu Bernadette und Piotr:
"Wenn wir hier noch länger festsitzen, sollten wir uns etwas überlegen, das Hotel Continental ist auf Dauer doch etwas zu kostspielig für meinen Geldbeutel und ich bin sicher, Piotr geht es da ähnlich."
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt."
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Piotr Cebulski
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Piotr Cebulski »

Der junge Pole gähnt zum x-ten Mal in seine Faust und nickt nur eifrig.
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."
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Dr. Bernadette von Zobel
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Dr. Bernadette von Zobel »

"Nun, ich muss mich dem anschliessen, eine solch kostspielige Unterkunft ist für einen längeren Zeitraum gibt auch mein Budget nicht her. Das ist etwas worum wir uns am morgigen Tag kümmern sollten." "Sagen sie bitte", ich wende mich an unsere aus Danzig stammenden Begleiter, "könnte uns jemand von Ihnen vielleicht eine gute und gleichzeit kostengünstige Unterkunft hier in Danzig empfehlen?"
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Isaak Silbermann
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Isaak Silbermann »

"Was für ein Tag...was für eine Nacht!" sind die ersten Worte, die dem Danziger Friseur über die Lippen kommen, als die Gruppe das Gebäude des Polizeireviers verlässt und in den ersten Stunden des nächsten Tages auf der Straße wieder zusammen trifft. Nachdem auf der Wache Beobachtungen um den nächtlichen Vorfall zu Protokoll gegeben und seitens der Polizei Mutmaßungen über mögliche Zusammenhänge zwischen dem Mord an Wegemann und dem Auftauchen der Berliner in Danzig geäußert wurden, ist Isaak sichtlich angespannt. Nicht nur, dass er die Vorgehensweise der örtlichen Polizei bei solchen Vorkommnissen eigentlich nie kennenlernen wollte und nach den Erfahrungen der vergangenen Nacht auch nicht so einfach hinnehmen wird. Die auch in der freien Stadt Danzig immer mehr zunehmenden antisemitischen Verhaltensweisen besonders der Obrigkeit - als solche interpretiert sie Isaak zumindest , lösen bei dem jüdischen Geschäftsmann Wut und Unverständnis aus, welche sich immer wieder in einem stillen Kopfschütteln gepaart mit ernster Miene wiederspiegeln. Gustavers Meinung zur "Werwolf-Theorie" scheint er jedoch zu teilen. In gewohnt humorvoller Weise witzelt er, er habe noch nie Gespräche über Werwolfattacken oder ähnliche Vorfälle in Danzig gehört, seitdem er in dieser Metropole lebe. Außerdem sei es auch aus seiner Sicht absurd, dass die Bissspuren am Mordopfer in irgendeiner Form mit Übersinnlichem in Zusammenhang gebracht werden können. "Nun, meine Herrschaften, ... wir kamen geradewegs von einem Zirkus, als uns und diesen Herrn Wegemann das bekannte Schicksal ereilte. Glauben Sie nicht, dass dort eher wilde Tiere zu finden sind? Vielleicht haben sie sich in der Großstadt nicht wohl gefühlt, schließlich ist das ja nicht gerade der natürliche Lebensraum von Tieren dieser Art. Möglicherweise ist dort eines ausgebrochen?" Rat suchend blickt er in die Gesichter der anderen.
Unruhig verlagert Isaak sein Körpergewicht von einem Bein zum anderen, während seine Blicke immer wieder auf der antiken goldenen Taschenuhr seines Großvaters hängen bleiben. "In wenigen Stunden muss ich wieder aufstehen und meinen Laden für den Tag herrichten", kommentiert er seine Gesten."Er wird lang werden, denn der Dienstag ist immer für meine Stammkundschaft reserviert. Ich teile also ihre Meinung voll und ganz, lassen sie uns die Ereignisse des Tages also erst einmal verdauen und etwas Abstand dazu gewinnen. Ich finde ihren Vorschlag sehr sinnvoll, Frau Dr. von Zobel."
Als die Frage nach einer kostengünstigeren Unterkunft aufkommt, erhellen Isaaks Gesichtszüge: "Nun, Frau Dr., Herr von Feldess und Herr Cebulski, das Hotel Continental mag vieles bieten, aber die Preise sind in der ganzen Stadt bekannt. Aber wissen Sie, ich lebe mit Rachel, meiner Frau, in einem großen Haus, nicht weit vom Salon entfernt. Wir haben dort genug Platz und wenn Sie möchten, dann können Sie gerne für einige Tage unsere Gäste sein. Ich würde mich sehr freuen." Kurz ist wieder das Blitzen des Goldzahnes zu sehen, das durch die Reflektion im Laternenlicht hervorgerufen wird.
Mit väterlichem Blick wendet er sich abschließend an Francesca und seine Stimme wird - für die anderen auch wahrnehmbar - wieder etwas weicher:"Fräulein Satorielli, wann haben Sie denn morgen Feierabend? Ich kann meinen Laden voraussichtlich erst nach 19 Uhr schließen, vorher schaffe ich es also nicht, am Museum zu sein."
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Sorina Popescu
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Sorina Popescu »

Als wir endlich die Polizeiwache verlassen dürfen macht sich bei Sorina Erleichterung breit, die allerdings etwas vom Einbehalten der Pässe geschmälert wird. Die Müdigkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben, Francesca antwortet sie kraftlos: "Ohja, ein gute Idee! Ich bin auch schrecklich müde und muss schnell ins Bett."
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Dr. Bernadette von Zobel
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Dr. Bernadette von Zobel »

Ich blicke Herrn Silbermann für einen Moment erstaunt und überrascht an, als er uns einläd für einige Tage seine Gäste zu sein und als ich sein Angebot realisiere, spiegelt sich Erleichterung in Form eines warmen herzlichen Lächelns in meinen müden Zügen wieder. "Herr Silbermann...ich...also...ich...weiss garnicht, was ich sagen soll. Das...das ist ein wirklich äussert freundliches Angebot von Ihnen und um ehrlich zu sein wrde ich dies für meinen Teil sehr gerne annehmen. Seien sie versichert, ich gehe Ihrer Frau auch gerne im Haushalt ein wenig zur Hand und ich werde mir zudem etwas überlegen, diese Freundlichkeit gebührend zu honorieren." Ich lächlte den Frisör dankbar an, lege ihm kurz die Hand auf den Unterarm und füge noch hinzu: "Vielen Dank Herr Silbermann, das ist wirklich sehr zuvorkommend und äusserst freundlich von Ihnen!"
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Francesca Satorielli
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Francesca Satorielli »

Den Vorschlag Frau Dr. Zobels sich am nächsten Tag zum Essen zu treffen findet Francesca fantastische und auch Herr Schlotzel begrüßt die Idee. Daraufhin lacht Francesca herzhaft über Gustavers Weiterführung der Wehrwolftheorie und erst recht als Herr Silbermann den Jahrmarkt erwähnt,
Ahahahahaha ja, vielleicht hat der kreative Dr. Zilonka zuviel experimentiert, ahahahaha Herr Dr. Zilonka Frankenstein ahahahahahahahaha
Immer noch leicht kichernd, was im Laufe der Worte langsam abebbt, fügt sie hinzu,
Aber im Ernst Herr Silbermann, mit der Theorie, dass ein Tier vom Jahrmarkt ausgebrochen sein könnte, könnten Sie vielleicht Recht haben, das wäre eine sinnvolle Erklärung.
Leicht fröstelnd reibt sie sich die Oberarme und zieht das recht dünne, braune Strickjäckchen enger um ihren Körper.
Wir könnten uns auch direkt vor ihrem Laden treffen, Herr Silbermann. Ich weiß noch nicht genau wann ich morgen frei haben werde. Da ich ja heute früher gehen durfte, werde ich wohl morgen die Stunden aufholen müssen. Aber ich denke zu 19 Uhr sollte ich es auf jeden Fall schaffen.
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Piotr Cebulski
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Re: VI. Auf der Wache

Beitrag von Piotr Cebulski »

"Gut", sagt Piotr, als habe er beschlossen, die Abschlußrede des heutigen Abends zu übernehmen. "Also wenn wir können unterkommen bei Familie Silbermann" - ein dankbares Nicken nebst Lächeln wird dem Friseurmeister zuteil - "dann treffen wir uns morgen Abend um 19 Uhr wieder beim Haarsalon und lassen uns dann das Bierhaus zeigen? Das fände ich sehr schön und vielleicht habe ich bis dahin auch eine Idee, was wir nun tun können, um wieder unsere Ausweise zurück zu erhalten. Ohh ... Taxi!"

Der arbeitssuchende Journalist winkt ein vorbei fahrendes Gefährt heran und überlässt dieses selbstverständlich den Damen Satorielli und Popescu, sowie Herrn Silbermann, damit diese rasch und unversehrt in ihre Betten finden mögen. Danach macht sich das Berliner Trio gemeinsam mit Herrn Schlotzel auf in Richtung Innenstadt, um ein weiteres der nützlichen Gefährte zu suchen. Auch diese Gruppe trennt sich schließlich, sowie das nächste Taxi in Sicht kommt und nach einem weiteren, langen und ereignisreichen Tag geht es endlich in Richtung eurer sehnlich erwarteten Federkissen.

[Es geht weiter im nächsten Kapitel]
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."
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