V. In der Spiegelhalle

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Piotr Cebulski
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Piotr Cebulski »

Auch Piotr folgt schweigsam, wie paralysiert. Das Betrachten der Pfütze jedoch weckt eine Frage in ihm, welche selbst durch die dicke Schicht aus Furcht und Verwirrung in seinem Herzen bis an die Oberfläche emportreibt: "Ob es macht einen Unterschied für das Reiseziel, ob Herr Wegemann diese Silberpfützen ausbricht, oder ob er selbst zu einer wird??"
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."
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Gustaver von Feldess
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Gustaver von Feldess »

"Mir egal, Hauptsache die hier führt wieder zurück nach Danzig", sagt Gustaver und geht in die Hocke, um einen Finger nach der Pfütze auszustrecken. Statt diese jedoch zu berühren, verharrt er, nur wenige Millimeter über der Oberfläche, denkt nach und zieht die Hand dann wieder zurück.

Erneut erhebt er sich und ergänzt in einem Anflug von Spott, welcher sich anschickt, seine Unsicherheit zu überspielen:
"Freiwillige vor." Beiläufig rückt er dabei seinen Mantel zurecht.
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt."
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Sorina Popescu
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Sorina Popescu »

Auch Sorina betrachtet nun die Pfütze sowie den Raum genauer.
(Verborgenes erkennen: 32 drunter)
Auf Gustavers Anmerkung hin meint sie:
"Die Frage ist ob uns ein "Freiwilliger" überhaupt weiter hilft, er wird sich uns ja von der anderen Seite wahrscheinlich nicht mitteilen können.
Vielleicht sollten wir uns auch noch einmal die Spiegel anschauen, möglicherweise kann man ja in ihnen eine Veränderung sehen."
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Francesca Satorielli
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Francesca Satorielli »

Auf Sorinas Worte hin nickt Francesca und betrachtet die Spiegel in ihrer Nähe eingehender. Dabei kommen ihr immer wieder Piotrs Worte in den Sinn, welche Sie nicht so recht verstanden hat und dennoch ihren Geist gefangen nehmen, sodass sie sich nicht so recht konzentrieren kann.
Nachdem sie einige Spiegel genau betrachtet hat, gibt sie auf, dreht sich zu Piotr um und fragt,

"Herr Cebulski, wie meinten Sie das, was sie eben sagten? Ich habe nicht so recht verstanden."
Fantastische!
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Piotr Cebulski
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Piotr Cebulski »

"Nun, in dem Wagen des Herrn Zielonka die Kreatur hat Spiegelscherben gegessen und diese wieder als Pfütze ausgebrochen. Diese hat sie dann als eine Art Tür in diese Welt benutzt", beginnt der verstörte Pole zögerlich und sieht Francesca fragend an, ob sie ihm soweit folgen kann. "Hier es sah vorhin so aus, als wäre das Wesen selbst geschmolzen und zu einer Spiegelpfütze geworden."

Piotr fährt sich mit einem Finger zwischen Schnauzer und Nase entlang und blinzelt zweimal.
"Ob diese uns nun wohl zurück in unsere Welt bringt? Es ja wäre auch möglich, dass uns noch mehr des Irrwahns bevorsteht?", mutmaßt er unbehaglich.
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Der Mentor
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Der Mentor »

Die umliegenden Spiegel zeigen nach wie vor verwirrende Perspektiven in bekannte und fremde Räume, darunter auch jenen, in welchem ihr euch selbst befindet. Euren verstörenden Doppelgängern könnt ihr ebenfalls noch einmal ins Auge sehen, wenn ihr es wünscht und entsprechend Zeit zum Suchen aufwendet, ansonsten gibt es mannigfaltig andere Monstrositäten zu entdecken.

Anzeichen von den wässrigen Würmern sind keine mehr zu finden.
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146
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Gustaver von Feldess
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Gustaver von Feldess »

Gustaver sieht Sorina einige Augenblicke lang verwirrt an, dann runzelt er die Stirn. "Das war nur so daher geredet, Frau Popescu. Ich dachte wir gehen da jetzt alle rein. Hat ja schon mal funktioniert und ... was bleibt uns anderes übrig?", fragt er gefasst.
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt."
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Isaak Silbermann
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Isaak Silbermann »

Den Gesprächen folgt der Friseur nur unaufmerksam, deshalb dringen Piotrs zweifelnde Worte auch nicht bis zu ihm durch. Vielmehr faszinieren und irritieren ihn die Spiegelkreaturen zugleich, sodass er seine Blicke kaum von deren Abbildungen in den Spiegeln wenden kann.
Gustavers fordernde Art jedoch dringt schließlich zu Isaak durch, während dieser gerade ein besonders ekelhaftes und deformiertes Exemplar beäugt. Es schüttelt ihn innerlich und nur mühsam kann er seinem Würgereflex standhalten.
Die Worte des Detektivs verfehlen ihre Wirkung nicht: zügigen Schrittes tritt Isaak selbstbewusst an die silbrige Lache heran, wirft einen kurzen, prüfenden Blick hinein und wendet sich anschließend an Gustaver. "Sie haben Recht, uns bleibt nichts anderes übrig. Wir müssen ...", er unterbricht seine Ausführungen kurz und wirft erneut einen kritischen Blick in die Pfütze "...wir müssen endlich nach Hause und wir sollten keine Zeit verlieren - ich ertrage diese Anblicke hier keine Minute länger", wendet er sich schroff und entschieden zugleich an die anderen "Spiegelwelt-Besucher". "Einer muss nun den Anfang machen und den Weg hier heraus beschreiten", konstatiert er selbstbewusst und ersucht dabei zustimmende Blicke von den anderen.
Es muss sich anfühlen, als ob Minuten vergingen, während Isaak seinen Begleiter weiterhin lediglich fordernd und flehend entgegen blickt: "Herr Schlotzel, kommen Sie, Sie wollen doch auch nach Hause."
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Bruno H. Schlotzel
Adept
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Bruno H. Schlotzel »

Schlotzel brummt ein paar unverständliche Worte, schmeißt seinen Zigarillostumpen angewidert in die Silberpfütze, atmet tief seufzend aus und tritt direkt in die Pfütze hinein.


(Verborgenes erkennen: 8 drunter)
Kein Mann, dem seine Sache nicht Spaß macht, darf erwarten, das sie irgend sonst jemandem Spaß macht.
Brecht
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Der Mentor
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Der Mentor »

Der längst erloschene Stumpen zischt nicht einmal mehr, als er in die Pfütze fällt und sogleich darin versinkt. Schlotzels folgender Herrenschuh tastet erneut nach stabilem Grund, doch versinkt ebenfalls, sobald er den zweiten folgen lässt. Langsam und kühl steigt die Spiegelmasse an seinen Knöcheln und Waden hinauf und urplötzlich schießt dem Zeitungsmenschen die Frage in den Sinn, ob sie sich beim ersten Übergang auch schon so angefühlt hat.

Verunsichernder Weise kann er sich nicht mehr erinnern und es ist ohnehin zu spät, dem Gedanken weiter zu folgen, denn der Prozess scheint nicht aufzuhalten und Bruno sinkt immer tiefer ein, fasst zuletzt schützend an seine Hutkrämpe und verschwindet dann gänzlich.
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Francesca Satorielli
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Francesca Satorielli »

Francesca schaut erstaunt zu wie Herr Silbermann und Herr Schlotzel sich der Pfütze nähern und schließlich letzterer darin verschwindet. Sofort tritt sie näher heran und fühlt sich schuldig. Keine Sekunde vergeht, da betritt sie auch schon den vermeintlichen Übergang, um Bruno nicht allein in der Dunkelheit zu lassen.
Fantastische!
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Der Mentor
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Der Mentor »

Piotr ist der Nächste, der nach Francesca in die Pfütze tritt und darin versinkt. Zurück bleiben Frau Popescu, die Herren Silbermann und von Feldess, sowie die bislang unausgesprochene Frage, wer wohl als Letzter hier zurück bleiben muss - ein äußerst unbehaglicher Gedanke für eure völlig überspannten Nerven, auch wenn es nur um wenige Augenblicke des Alleinseins geht.
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Sorina Popescu
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Sorina Popescu »

Sorina sieht die beiden Herren an und meint:
"Bitte, wollen sie als Nächstes?"
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Der Mentor
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Re: V. In der Spiegelhalle

Beitrag von Der Mentor »

Gustaver überlässt seinerseits Isaak den Vortritt und folgt als vorletzter in die Pfütze. Die alte Sorina bleibt demnach alleine in der Spiegelhalle zurück und kann einen letzten Blick in dieses gleichermaßen verwirrende wie verstörende Kaleidoskop der Perspektiven werfen. Ihre Blicke gleiten über die Überreste der Würmer, deren abgetrennte Enden leblos aus der Dunkelheit der Decke herab hängen und streifen auch das, was vom Doktor übrig blieb. Wie viele Antworten er wohl mit sich ins Grab genommen hat?

Unwillkürlich hält die Wahrsagerin einige Augenblicke inne. Die letzten Stunden waren derart ereignisreich, dass noch überhaupt keine Gelegenheit dazu gegeben war, die Auswirkungen der schieren Existenz einer solchen Spiegelwelt auf das, was gemeinhin als Realität bezeichnet wird, zu überdenken. Man stelle sich in diesem Kontext eine Karaffe aus Kristallglas und einen Baseballschläger vor...

Irgendwann ist es dann auch für Sie Zeit, den anderen zu folgen und ihre abgelaufenen Stiefeletten in die silbrigen Überreste des Wegmann-Spiegelbilds zu setzen.

In ähnlicher Manier, wie ihr es alle bereits einmal erlebt hat, gleitet ihr wieder zurück durch das Nadelöhr zwischen den Welten. Diesmal in umgekehrter Richtung - nicht, dass das für eure verwirrten und völlig überforderten Sinne einen Unterschied machen würde - rast ihr aus den Untiefen des Kaninchenbaus empor und fragt euch mit bangen Gefühlen, wo ihr wohl wieder ausgespuckt werdet?


[Es geht weiter im nächsten Kapitel]
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146
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