II. Ein Haus im Grünen

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Gustaver von Feldess
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Gustaver von Feldess » Samstag 15. November 2014, 20:53

Der ehemalige Ordnungshüter nickt und brummt einen Laut der Zustimmung, dann wendet er sich an die Haushälterin: "Ich müsste aber vorher mal wohin, könnten Sie mir dann gleich auch zeigen ...?"
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Der Mentor
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Samstag 15. November 2014, 20:56

"Ohh ja, natürlich" entgegnet der gute Geist des Hauses und deutet aus dem Salon hinaus auf eine Tür an der gegenüberliegenden Seite des Eingangsbereiches. "Gleich dort drüben."

Von Feldess nickt dankbar und folgt der Wegbeschreibung, während die Haushälterin wieder in die Runde blickt.
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Isaak Silbermann » Sonntag 16. November 2014, 11:06

"Ich würde auch gerne dem Gespräch mit Herrn Lechner beiwohnen", entgegnet Isaak bestimmt auf Julius' Frage hin.

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 16. November 2014, 11:52

So ist es entschieden: das Herrentrio Silbermann, Schmidt und Johnsson folgt der Haushälterin, während Gustaver und Piotr im Anschluss in das Jugendzimmer geführt werden. Zunächst geht es für die erste Gruppe durch mehrere Flure, bis zum Schlafzimmer des Hausherren im hinteren Teil des Erdgeschosses. Neugierige Augenpaare erspähen unterwegs mehrere Wohn-, Musik- und Speisezimmer, einmal schaut ihr in einen behaglichen Wintergarten.

An der Zieltür angekommen, erfolgt ein vorsichtiges Klopfen, dann steckt die Dame, die sich unterwegs beiläufig als Frau Unger vorstellt, ihren Kopf flugs durch den Türspalt, um zu sehen, ob der Anwalt empfangsbereit ist.
"Herr Lechner? Dürfen wir hereinkommen?", fragt sie leise.

Nach für nach betretet ihr also das vormals wohl muffige, jetzt primär kalte Schlafzimmer. Ein Fenster steht weit offen und die Haushälterin schließt es umgehend, um den frostigen Januar wieder auszusperren und die Vorhänge zuzuziehen.

Der Hausherr selbst liegt dick eingepackt unter mehreren Daunendecken, welche seine ohnehin nicht unbeträchtliche Leibesfülle noch voluminöser erscheinen lassen. Ein im Verhältnis dazu klein wirkender, runder Kopf mit gewichstem Schnauzer und strähnigem Haar ruht auf diversen Kissen und verfolgt euer Eintreten mit glasigem Blick. Auf einem Nachttisch tummeln sich diverse Medikamente und auch Geschirr, welches die Bedienstete sofort zusammenzuräumen beginnt, danach lässt sie euch mit dem maladen Anwalt alleine.

Lechner eröffnet mit einem Gemurmel, dass möglicherweise einen Gruß darstellen sollte, dann spricht er mit denkbar dünner, beinahe flüsternder Stimme:
"Ich ... hat ... Seefeld Sie geschickt?"

Bild
Rechtsanwalt Karl Ludwig Lechner
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Sonntag 16. November 2014, 12:53

David nickt beim Eintreten dem Hausherrn zum Gruße zu, dann wandern seine Augen unbewusst, doch gleichsam aufmerksam zu den Medikamenten. Es ist sozusagen der erste Schritt um festzustellen, in wie weit ein normales Gespräch mit Herrn Lechner möglich ist [Pharmazie: 1 unter dem Wert]. Mit einem weitern Blick versucht er aus dem was er von dem Patienten sieht, zusammen mit der Information der Medikamente eine Art erste Diagnose zu stellen- all das ist ihm jedoch nur halbbewusst [Medizin: 30 unter dem Wert].
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 16. November 2014, 14:14

Auf dem Tisch stehen diverse Schlaf- & Beruhigungsmittel sowie Psychopharmaka, wie David sie selbst bei einem Nervenzusammenbruch verschreiben würde. Je nach eingenommener Menge muss man sich wohl darauf einstellen, dass Lechners Wahrnehmung merklich getrübt ist. Ein Blick auf die handschriftlich auf den Fläschchen notierte Dosis bestätigt diesen Verdacht zusätzlich.
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Julius Johnsson » Freitag 21. November 2014, 00:03

Julius ist über den schlechten Zustand Lechners, der sich ihm nach Betreten des Zimmers bietet, bestürzt. Damit hatte er nicht gerechnet, vielmehr hatte er sich Herrn Lechner als rüstigen und intelligenten Mann vorgestellt, der er vor ein paar Wochen auch noch gewesen sein mag. Doch der trübe Blick und die schwache, krächzende Stimme verheissen Julius nichts Gutes. Er versucht jedoch sich nichts von diesen Gedanken anmerken zu lassen und antwortet Herrn Lechner mit klarer und freundlicher Stimme:
"Danke dass sie uns so kurzfristig empfangen Herr Lechner und um sie direkt zu beruhigen: Ja, wir kommen im Auftrag von Herrn Seefeld. Ich bin Julius Johnsson und das sind Herr Silbermann und Herr Dr. Schmidt. Zudem schauen sich zwei weitere Freunde gerade schon einmal das Zimmer an."
Zuletzt geändert von Julius Johnsson am Freitag 21. November 2014, 16:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Freitag 21. November 2014, 08:41

Julius' Worte dringen wohl in Lechners Ohren, doch lässt sein Gesichtsausdruck keinerlei Rückschlüsse zu, ob er etwas von dem Gesagten verstanden hat. Seine Unterlippe löst sich wie von selbst von ihrem Gegenstück und unternimmt scheinbar einen Anlauf, um Worte zu formen, doch kommt dabei kein Klang zustande. Wieder krächzt und räuspert sich der Anwalt, schmatzt und schluckt einmal - niemand von euch hat den Eindruck, als sähe er ihn direkt an, viel mehr schaut Lechner diffus in eure Richtung - doch irgendwas muss zu ihm durchgedrungen sein. "Ida ... was hat ... der Hauptmann ...?", raunt er schwach und kaum hörbar.

Jetzt erst scheint er Julius als Rädelsführer identifiziert zu haben, denn sein Blick weitet sich plötzlich:
"Ihr ... bringt ihr mir meine Ida zurück??" Seine Stimme schwillt von Emotionen abrupt an und ein Zittern läuft wie eine Welle über sein speckiges Gesicht, dann füllen Tränen Lechners Augen und er schluchzt - wenn auch etwas überraschend, so doch nicht minder herzergreifend - drauf los.
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Julius Johnsson » Freitag 21. November 2014, 16:41

Julius versucht Herrn Lechner etwas zu beruhigen und antwortet ihm:

"Ja Herr Lechner, wir sind wegen ihrer Tochter hier und wollen ihnen helfen sie wieder zu finden! Bitte beruhigen sie sich und versuchen sie sich zu konzentrieren, wir würden gerne alles über das Verschwinden erfahren. Und scheuen sie sich nicht uns auch seltsame Dinge zu berichten! Trug ihre Tochter zum Beispiel den Kosenamen "Schmetterling"? Und warum wähnten sie sie in Gefahr, als sie den Brief an den Hauptmann schrieben?"

Julius hat zwar im Moment beim Anblick Lechners nur bedingt die Hoffnung, substantielle Antworten auf seine Fragen zu erhalten, aber probieren musste man es allemal und der Gedanke an seine Tochter schien in Lechner zumindest manch verlorene Lebensgeister wieder zu erwecken.

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Freitag 21. November 2014, 16:52

Julius will es nicht gelingen, seine Worte ohne Unterbrechungen an den Mann zu bringen, denn immer wieder stammelt Lechner etwas von "meiner Ida", "das arme Kind" und "Seefeld muss helfen" vor sich hin. Wobei man nicht ganz sicher sein kann, da seine Artikulation aufgrund der Weinkrämpfe, die ihn immer wieder schütteln, vorsichtig formuliert etwas zu wünschen übrig lässt.

David nimmt an, dass die gesamte Erscheinung Lechners wohl durchaus durch die eingenommenen Medikamente und seine seelische Verfassung zu erklären ist; dennoch erschliesst sich ihm als Fachmann - zumindest, wenn er davon ausgeht, dass der Hausherr die Beruhigungsmittel ordnungsgemäß eingenommen hat - nicht, warum dieser außer Stande ist, auch nur eine Frage zusammenhängend zu beantworten. Es wirkt fast, als könne der Anwalt seine Gedanken nicht lange genug auf ein Thema fokussieren und als würde sein Verstand immer wieder abgleiten, wie die Nadel auf einer zu oft gehörten Schallplatte.
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Isaak Silbermann » Sonntag 23. November 2014, 10:57

Die Atmosphäre im Schlafzimmer Lechners behagt Isaak kaum.
Unbeholfenheit breitet sich in ihm aus, als er den geistigen Zustand des Anwalts und dessen Verzweiflung über das Verschwinden seiner Tochter zur Kenntnis nimmt. Der Mann musste sehr leiden.
Der Friseur fühlt er sich zunehmend beengt in diesem dunklen Zimmer, am liebsten würde er das Fenster wieder öffnen und frische, lebendige Luft in diesen Raum lassen. Die wirren Worte Lechners wirken beschwerend und lassen den Schluss zu, dass hier momentan kein Gespräch mit dem Vater des verschwundenen Mädchens möglich ist.
Insofern gibt Isaak Julius und David mit einem leichten Kopfschütteln zu verstehen, wie er diese Situation einschätz und schlägt stattdessen flüsternd vor: "Lassen Sie uns in IHREM Raum ein wenig umsehen! Vielleicht haben wir da mehr Glück."

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Julius Johnsson » Sonntag 23. November 2014, 16:32

Auch Julius merkt dass aus Herrn Hagedorn im Moment nichts Sinnvolles herauszubringen ist. Sein Zustand scheint noch schlimmer zu sein, als nach den Bemerkungen der Haushälterin zu erwarten war. Fragend schaut Julius daher Dr. Schmidt an, der als Arzt vielleicht noch eine Möglichkeit sieht.

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 29. November 2014, 14:27

Für David ist dieser Fall absolut klar. Das Verschwinden von Lechners Tochter hatte eine Psychose ausgelöst, die sich sich unter anderem auch in einer starken Konzentrationsstörung ausdrückt. Andererseits muß man vorsichtig sein mit ersten vorschnellen Diagnosen. Vielleicht liegt es gerade an der Vielzahl der Medikamente und ihren Dosen, dass Herr Hagedorn keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Er hat schon öfters beobachtet, dass Medikamente, auch wenn immer die selbe Menge (natürlich im Verhältnis zum Körpergewicht) verabreicht wurden, bei dem einen die gewünschte Wirkung zeigte, beim nächsten gar keine und ein dritter sprach übersensitiv auf das Mittel an.

"Vielleicht ist es eine Überdosis der Medikamente!", sagt er und begutachtet nocheinmal genauer die Fläschchen, vielleicht waren sie unvorsichtig verschrieben worden und man hatte übersehen, dass der eine Wirkstoff mit einem anderen kombiniert, Nebenwirkungen auslösen könnte, die den Zustand erklärken könnten.

"Herr Lechner, sind sie in letzter Zeit gestürzt?"
, fragt er dann, aber weniger auf eine Antwort hoffend, als einen Vorwand zu haben, um näherzutreten, um sich die Pupillen genauer anzusehen.

Er wendet sich an Julius und Isaak, "Hypnose könnte helfen, dass wir Antwort auf unsere Fragen bekommen."
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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Julius Johnsson » Samstag 29. November 2014, 15:06

"Hypnose?" wiederholt Julius mit leicht fasziniertem Unterton die Worte Dr. Schmidts.
"Nun, wenn es Aussicht auf Erfolg hat, immer zu!" fügt er nach kurzem Überlegen an.

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Re: II. Ein Haus im Grünen

Beitrag von Der Mentor » Samstag 29. November 2014, 16:16

Lechner stammelt eine weitere, wenig brauchbare Antwort. Seine Pupillen sind zudem klein wie Stecknadelköpfe.
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