V. Berlin, Alexanderplatz

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Julius Johnsson
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Montag 15. Juni 2015, 23:09

"Interessant" antwortet Julius, ohne sich anmerken zu lassen ob ihm diese Information tatsächlich weiterhilft, "kommt er denn jeden Tag mehrmals vorbei? Und den Brief kannst Du auch gleich mir geben, dann sparst Du den Weg!"

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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Der Mentor » Mittwoch 17. Juni 2015, 07:40

"Ne, der kam zum ersten mal kurz vor Weihnachten", erinnert sich Sepp. "Dann nochmal jestern Nachmittag ... und heute schon zweimal." Die Frage nach dem Brief überhört (oder ignoriert?) der Jugendliche und schnappt sich stattdessen seine Wurzelbürste, um die Schuhe nebenbei weiter auf Hochglanz zu bringen. "Der hat manchmal ne Jemüsekiste dabei, vielleicht verkooft er dit Zeugs irjendwo auf nem Markt?", spekuliert er weiter.
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Mittwoch 17. Juni 2015, 20:35

"Kannst Du ihn denn beschreiben? Und hat er gesagt ob er noch mal kommen will?" fragt Julius.

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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Der Mentor » Donnerstag 18. Juni 2015, 08:11

"Hm, ne ... der taucht wenn dann einfach unanjekündigt auf", überlegt Sepp. "Und ... hm ... ick wees nich ... vielleicht so Mitte 30? Braune Haare, unrasiert, hat immer schmutzige Klamotten an ... wie von der Jartenarbeit eben. Und so janz helle inner Birne isser och nich!" Der Schuhputzer macht mit der Hand, die seine Zigarette hält - die andere verteilt gerade Creme mit einem Lappen auf Johnssons Schuh - eine Scheibenwischergeste vorm Gesicht. "Der wollte zum Beispiel och, dit wir ab Weihnachten dit Haus von der Ida beobachten - haben wir och jemacht, hat schließlich jut Pinkepinke einjebracht, aber war total nutzlos. Und ... dit war komisch: ihm war dit janz wichtig, dit wir und nich von Leuten in Uniformen sehen lassen. Ziemlich durchjeknallt, oder? Ick meen, der Krieg ist doch längst vorbei - wen jucken da schon so'n paar Veteranen, wa?" Er spricht das Wort "Veteranen" so aus, dass man meinen könnte, er sei stolz darauf, solche Worte überhaupt in seinem Vokabular zu haben.
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Freitag 19. Juni 2015, 19:00

Julius nickt dem Jungen nach dessen Worten zufrieden zu. Vor allem der erneute Bericht von den Veteranen lässt ihn aber auch erschauern und unbewußt blickt er sich auf dem belebten Platz nach solchen um. Dann wendet er sich mit den Worten: "Fällt Dir noch was ein, was wir fragen könnten?" an Gustaver.

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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Gustaver von Feldess » Samstag 20. Juni 2015, 13:10

"Hm", brummt von Feldess und zuckt die Schultern. "Auf Anhieb nicht, aber ... wat issn nu mit dem Brief?" Ein strenger Blick gen Sepp begleitet die Erinnerung an Julius' zuvor unbeantwortete Frage.
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Der Mentor » Samstag 20. Juni 2015, 13:17

"Naja ...", antwortet der Schuhputzer und wägt seine postalische Verantwortung gegen die Chance auf eine weitere schnelle Mark ab. "Also wenn Sie mir versichern, dit der Brief och bei Ida Lechner ankommt und mir einen Schadensersatz von 30 ..." - Gustavers Brauen rücken bedrohlich aufeinander zu - "... na sagen wir 20 Mark extra - weil Sie es sind! - bezahlen, dann ..." Die feine Bürste, mit der Julius's Schuhe soeben den letzten Feinschliff erhalten haben, wird beiseite gelegt und der Brief aus der Jacke gezückt. Der Blick geht zum Filmemacher, welchen der Kleinkriminelle offensichtlich als den Geldgeber und wohl auch weniger bedrohlichen der beiden Herren einschätzt. "Wat krieg ich denn jetzt für die Informationen?"
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Montag 22. Juni 2015, 15:23

Julius zückt mit hochgezogenen Augenbrauen einen Fünfziger. "Komplettpreis für Alles" meint er "und vielleicht komme ich dann auch noch mal vorbei!"

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Beitrag von Der Mentor » Montag 22. Juni 2015, 16:51

"50 für die Informationen und den Brief", fängt Sepp an zu verhandeln. "Und acht Mark für dit Schuhe putzen. Die Wichse zahlt sich nicht von selbst, wa?" Ein freches Grinsen folgt, doch erahnt Julius hinter der Fassade durchaus knallharten Willen, den eigenen Vorteil noch etwas auszubauen. "Also sagen wir 60 insgesamt, dit is ne schöne runde Zahl!"
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Dienstag 23. Juni 2015, 16:24

Julius ignoriert zunächst die weiteren Forderungen des kleinen Schlitzohrs und wendet sich an Gustaver: "Ich überlege schon die ganze Zeit ob es sinnvoll wäre unserem Gärtner hier eine Nachricht zu hinterlassen?"
Dann schiesst Julius plötzlich ein anderer Gedanke in den Kopf, den er aber nicht vor dem Jungen erörtern will.

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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Gustaver von Feldess » Donnerstag 25. Juni 2015, 11:45

"Woran denkst du?", fragt Gustaver mit undurchsichtiger Miene.
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Der Mentor » Donnerstag 25. Juni 2015, 11:47

Der dicke Sepp schaut etwas misstrauisch zwischen den beiden ungleichen Männern hin und her und wartet ab, wie Julius nun auf sein Angebot reagieren wird. Den Brief verstaut er vorsorglich wieder in seiner Jacke.
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Freitag 26. Juni 2015, 22:33

"Ach, nichts!" meint Julius zu Gustaver und wendet sich wieder Sepp zu.
50 Mark waren in Julius Augen völlig ausreichend, aber wegen der 10 Mark wollte er sich hier nichts verderben und so zückt er sein Portemonnaie.
"Alles klar! Du bist mir sympathisch, da sollen es 60 Mark sein!" meint er zu Sepp.

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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Der Mentor » Samstag 27. Juni 2015, 15:05

Der Schuhputzer grinst zufrieden wie eine vollgefressene Ratte. "Danke der Herr!", antwortet er und überreicht Johnsson den Briefumschlag mit der mittlerweile wohl bekannten Handschrift darauf. "Dann wünsch ick noch nen juten Tag, kommen Sie wieder und erzählen Sie allen, dit der Sepp seine Arbeit jut macht, wa?"
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Re: V. Berlin, Alexanderplatz

Beitrag von Julius Johnsson » Sonntag 28. Juni 2015, 23:15

Julius nimmt den Umschlag entgegen und lässt ihn schnell in seiner Jackentasche verschwinden. Dann wendet er sich zum gehen, zögert jedoch in der Bewegung und dreht sich noch einmal um. "Ach, sag geschwind, wo sind denn hier die Gemüsestände?" fragt er Sepp.

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