VI. Pflegeheim St. Matthäus

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Piotr Cebulski
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Piotr Cebulski » Freitag 3. Juli 2015, 09:18

"Was denn für ein Feuer Sie meinen?", fragt Piotr prompt. "Und was für ein Unglück? Sie da wissen scheinlich mehr als ich?" Ein unsicherer Blick sucht Isaaks, um darin ebenfalls Anzeichen vorherrschender Unwissenheit auszumachen.
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Isaak Silbermann
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Isaak Silbermann » Sonntag 5. Juli 2015, 14:45

Auch Isaak zuckt mit den Schultern und Ahnungslosigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. "Ich habe damals doch noch in Danzig gelebt. Die Meldung eines dramatischen Feuers aus Berlin erreichte uns dort nicht", entgegnet er in erster Linie in Davids Richtung, da die Frage von ihm ausging. "Ob Mathildes und Idas Vaters in dem Feuer ums Leben kam? Schrecklich, wenn man so etwas erleben muss." Mitgefühl schlägt sich in seiner Miene nieder, als er erneut in die leeren Züge Mathildes sieht.

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Dr. David Schmidt
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 11. Juli 2015, 12:12

Kurz lauscht David, ob er die Schritte der Schwester wieder am Gang hört, dann fängt er an zu erzählen, "Ja, es gab vor ungefähr ...ja es müssen fünf Jahre gewesen sein und ebenfalls Winter, da ist ein Internat abgebrannt. Warum konnten die Behörden nicht ermitteln. Gott sei Dank gab es kaum Tote, allerdings starb der Schulleiter. Vielleicht haben sie recht, Herr Silbermann, dass es der Vater von Ida und Mathilde war." Er macht eine kurze Pause, "und wie ich schon sagte, dieses Feuer könnte ja auch gelegt worden sein."
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Isaak Silbermann » Sonntag 19. Juli 2015, 20:26

Mit immer größer werdenden Augen verfolgt Isaak die kurze Erzählung Davids, obgleich ihn diese Geschichte ein wenig gruselt und erschreckt. "Was tür eine Tragödie", entfährt es ihm mit einem tiefen Schluchzer, als der Doktor erwähnt, dass der Schulleiter - möglicherweise Idas und Mathildes Vater - bei diesem Brand starb.

Fassungslos schüttelt er seinen Kopf, hält kurz darauf aber inne und ein Runzeln legt sich auf seine Stirn. Auch die dynamischen Bewegungen seiner Augäpfel zeugen davon, dass etwas in ihm arbeitet. "Hm....", kommentiert er seinen Denkprozess, "irgendwie muss ich gerade an das Chaos in Idas Zimmer und an den wirren Herrn Lechner denken, der da zurückgeblieben ist, wissen Sie? So wie Mathilde hier scheinbar nach dem Brand."
Nachdenklich scheint er durch Piotr und David hindurchzusehen. "Lechner wirkt auch geistig .... nunja...." - Isaak sucht scheinbar nach angemessenen Worten - "umnachtet, nachdem was da in seinem Haus passiert ist. Ein Feuer ist nicht ausgebrochen, doch mutet das, was da in Idas Zimmer aufzufinden war, auch überaus seltsam an. Ida scheint hier wirklich die Lösung, wenn nicht sogar das Problem zu sein. Wir müssen sie unbedingt finden!"

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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Piotr Cebulski » Montag 20. Juli 2015, 18:48

Piotr lauscht den Worten seiner Begleiter mit großem Interesse, gelegentlichem Nicken und gegen Ende von Isaaks Spekulationen auch mit sich weitenden Augen. "Du meinst, Ida könnte hier möglicherweise überhaupt nicht sein das Opfer?", fragt er unbehaglich und gleichermaßen verwirrt. "Wir einfach wohl wissen zu wenig. Ich mich frage, was es wohl zu erfahren gibt im Zeitungsarchiv?"
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Dr. David Schmidt » Dienstag 21. Juli 2015, 20:17

David denkt einen Moment nach, "Das ist ein recht interessanter Gedankengang, dass Ida vielleicht irgendwie verantwortlich für diese Dinge ist, wobei sich hier natürlich die Frage stellt, warum? Auf jeden Fall sollten wir die Angelegenheit von nun an auch unter diesem Blickwinkel betrachen."

Er sieht kurz zu Mathilde, ob sich irgendeine Regung erkennen lässt.
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Der Mentor » Mittwoch 22. Juli 2015, 17:54

Mathilde regt sich in keiner erkennbaren Weise. Vom Flur her hingegen kündigen sich Schritte an und kurz darauf betritt Schwester Ignatia mit einer Akte in der Hand erneut das Zimmer.

"Hier, meine Herren", fügt sie an, als sie Dr. Schmidt das Schriftstück reicht. "Kann ich Ihnen sonst noch weiterhelfen? Ansonsten würde ich mit meiner Visite fortfahren. Die anderen Patienten warten."

Sofern niemand widerspricht, fügt sie an: "Die Akte können Sie einfach aufs Bett legen, wenn Sie hier fertig sind, ich komme ohnehin bald wieder, heute ist Waschtag."


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Die Akte beinhaltet folgende Informationen:

- Mathilde Rendel wurde am 28.1.1917 eingeliefert und in Dauerpflege genommen
- Mathilde (Jahrgang 1900) war damals 16 Jahre alt
- diverse Kommentare befassen sich mit der Tatsache, dass die junge Frau seither optisch um keinen Tag gealtert zu sein scheint und zudem weder an Gewicht noch Muskulatur verloren hat; medizinisch lässt sich all dies nicht erklären
- die Pflegekosten zahlt Karl Ludwig Lechner, welcher ebenfalls als gesetzlicher Vormund eingetragen ist
- im Aufnahmeprotokoll steht unter "Familienstand der Patientin": Waise nach tödlichem Unfall des Vaters am 27.1.1917; unter "Familienangehörige": Ida Rendel
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Dr. David Schmidt » Donnerstag 30. Juli 2015, 19:42

David nickt der Schwester zu und er nimmt die Akte entgegen. "Gut, wir werden sie hier nicht mehr allzulange stören!", verspricht er ihr.

Dann öffnet er die Akte und zwar so, dass alle, die wollen mitlesen können. Dann zückt er sein Notizbuch und schreibt einiges an Informationen nieder. "Also das sie sich so überhaupt nicht verändert hat in all der Zeit, finde ich reichlich seltsam!"
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Piotr Cebulski » Freitag 31. Juli 2015, 17:38

"In der Tat!", mein auch Piotr. Er tritt an Mathilde heran und mustert die junge Frau, als würde er nach etwas Bestimmtem suchen. "Ich mich auch frage ... wenn sie ist in einer Art geistiger Abwesenheit, müsste dann nicht ihr Körper ... schlaff sein? Sie mir jedenfalls nicht scheint festgeschnallt zu sein in ihrem Stuhl." Der polnische Journalist nimmt die Hand der Heimbewohnerin sachte am Gelenk und hebt sie testweise an. Die Hand ist nicht steif, hängt aber auch nicht schlaff herunter wie bei einem Patienten unter Narkoseeinwirkung. "Sehr merkwürdig das ist. Aber wenigstens wir jetzt genau wissen, an welchem Datum das Unglück sich hat er eignet."
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Isaak Silbermann » Samstag 1. August 2015, 17:25

Isaak beäugt Piotrs "Versuche" an Idas Körper aus kritischer Distanz. Einen Ansatz für eine Erklärung oder Mutmaßung kann er auch nicht geben, stattdessen entfährt ihm nur ein tiefer Seufzer, während er sich grüblerisch durch den Bart streicht und die Aufzeichnungen mitliest.
"Wie kommt Lechner eigentlich dazu, diese Mädchen zu adoptieren? So umgehend nach dem Unfall des Vaters? .....Mh...", mit dem Zeigefinger der rechten Hand fährt Isaak zeilenweise über die Notizen in der Akte Mathilde Rendel, "... das Unglück, bei dem der gemeinsame Vater starb, geschah am 27. Januar 1917."
Die Augen des ehemaligen Friseurmeisters weiten sich, als er betont hinzufügt: "Dieses Ereignis jährt sich MORGEN zum fünften Mal."

Er wendet sich von David, der noch immer die Dokumente in den Händen hält, ab und geht einige Schritte in dem kleinen Raum auf und ab. Daumen und Zeigefinger massieren seine Nasenwurzel, als er schließlich stehen bleibt, die Schablone aus seiner Jackettasche fingert und fortfährt: "Erinnert Ihr euch an die Briefe an Ida und die versteckten Botschaften? Es waren Warnungen an sie vor JEMANDEM, der etwas WIEDER tun wird ...und die Briefe sollten sie kurz vor diesem Jahrestag erreichen. Da besteht doch ein Zusammenhang. Jemand, der von all dem weiß, oder gar dabei war, muss....."
Erneut betrachtet Isaak die leblos wirkende Mathilde, die da bewegungslos in ihrem Stuhl ins Leere zu starren scheint, bevor er sich postwendend zu ihr begibt, um ihr die Schablone vor die Nase zu halten. Seinen Herzschlag spürt er mehr als deutlich, als er Regungen auf diesen Reiz in Mathildes Antlitz zu finden sucht.

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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 2. August 2015, 09:27

Mathilde schaut mit dem gleichen Maß an Nichtbeachtung durch das löchrige Blatt Papier hindurch, mit dem sie dem Rest der Welt begegnet. Isaak kann entsprechend keinerlei Anzeichen von Aktivität in ihren Augen, ihrer Mimik oder Körpersprache ausmachen.
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Dr. David Schmidt » Montag 3. August 2015, 20:57

"Hmm, aber da war ja auch in einer Nachricht die Rede davon, dass jemand an ein Haus gebunden ist. Ist damit das Gebäude gemeint, dass damals gebrannt hat, oder ist es das Haus in dem Ida jetzt wohnt, oder gewohnt hat?", überlegt David laut vor sich hin. "Ist das Internat eigentlich wieder aufgebaut worden? Das wäre vielleicht auch interessant herauszufinden. Wie auch immer, wir sollten vielleicht dort nach Ida suchen."
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Piotr Cebulski » Montag 3. August 2015, 21:31

Piotr zuckt die Achseln. "Das sicherlich lässt sich herausfinden", antwortet er zusehens unruhig. "Ich habe das Gefühl, wir werden finden so manche Antwort im Zeitungsarchiv oder vielleicht auch bei den Stadtbehörden."

Der Journalist schaut auf seine Armbanduhr. "Wir dann wollen fahren zu Gustaver? Mittlerweile er und Herr Johnsson sollten auch zurück sein." Ein verstohlener Blick zuckt zu Mathilde und man könnte fast meinen, dass ihm die Anwesenheit der Frau im Rollstuhl Unbehagen bereitet.
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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Isaak Silbermann » Freitag 7. August 2015, 10:33

Enttäuschung schlägt sich in Isaaks Gesichtszügen nieder, als eine Reaktion Mathildes auf sein Herumwedeln mit der Schablone ausbleibt. Forsch lässt er das Utensil wieder in seiner Jackettasche verschwinden und begibt sich in die direkte Nähe von David und Piotr. "Berechtigte Fragen", kommentiert er Davids Überlegungen, "vielleicht helfen die uns ja weiter. Sie haben Recht, das Internat sollten wir uns ansehen, sofern es wieder besteht. "
Piotr zugewandt nickt Isaak diesem bestätigend zu: "Gute Idee. Lassen Sie uns jetzt weiterziehen. Ich bin gespannt, was die beiden zu berichten haben. Abgesehen davon denke ich auch, dass wir nun - nach diesem Aufenthalt hier umso mehr - einen Blick ins Stadtarchiv wagen sollten. Wer weiß, was sich da noch offenbaren mag. Vielleicht finden wir auch da noch etwas über das Internat heraus."

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Re: VI. Pflegeheim St. Matthäus

Beitrag von Dr. David Schmidt » Freitag 7. August 2015, 21:37

"Auf jeden Fall", meint David nickend, "hier werden wir nichts mehr erfahren. Schlimm, aber wir können nichts für Mathilde tun." Noch immer dreht sich sein Geist um die Frage, warum sich die Patientin in all den Jahren überhaupt nicht verändert hat. Aber auch auf diese Antwort, so muss er resignieren einsehen wird er im besten Falle lange warten müssen.
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