VIII. Licht & Schatten

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Der Mentor
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VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Der Mentor » Samstag 9. Januar 2016, 07:51

Das Ziel eurer Fahrt liegt mitten im Herzen der großen Stadt, genauer gesagt auf der Ecke Kurfürstendamm, Joachimstaler und Augsburger Straße:

Ein großbürgerlicher, reich verzierten Bau in der Manier des Historismus, welcher fünf Läden beherbergt, thront düster zwischen seinen weniger wuchtigen Nachbarn. In einer der Ladenparzellen seht ihr ein kleines, von außen mäßig auffälliges Lokal mit zugezogenen Vorhängen, über dessen Fensterfront ein schummrig beleuchtetes Schild mit Aufschrift "Kakadu" hängt. Eine aufgestellte Tafel neben der geschlossenen Eingangstür weist zusätzlich darauf hin, dass es in der Bar "jeden Abend Klaviermusik mit Mischa Spoliansky" zu hören gibt.

Als ihr auf der gegenüberliegenden Straßenseite vorfahrt und eure Automobile verlasst, treibt euch der kalte Wind im Nu wieder die wenige Wärme aus der Kleidung, die sich dort im Laufe der kurzen Fahrt sammeln konnte. Als wäre es damit nicht genug, fällt leichter Nieselregen und erschwert die Sicht.

Eure wachsamen Blicke erfassen im diesigen Schein der Laternen dennoch vereinzelte Passanten - auf den ersten Blick identifiziert ihr keine Kriegsveteranen darunter. Ebensowenig Gäste, die das Lokal betreten oder verlassen.

Es ist aber aber auch noch sehr früh am Abend ...

Zu eurer Verabredung mit Ida Lechner hingegen habt ihr es fast pünktlich geschafft - die Uhr zeigt 18:37.
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Gustaver von Feldess
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Samstag 9. Januar 2016, 08:06

Gustaver schließt seine Rostlaube ab und entzündet sich sogleich eine neue Zigarette. Natürlich um die Kälte aus den Gliedern zu vertreiben. Mit zusammen gekniffenen Augen taxiert er die Häuserfront und meint zu David Schmidt: "Kenn ick jar nicht, die Pinte ..."

... was jetzt nicht gerade geringschätzig, sondern eher neugierig klingt.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Dr. David Schmidt » Sonntag 10. Januar 2016, 13:29

David lächelt leicht, "Niemand kann alle Lokale in Berlin kennen!" Dann zuckt er kurz mit den Schultern, "Aber Spoliansky sagt mir irgendetwas...." Er denkt nach bei welcher Gelegenheit er von diesem Pianisten gehört haben konnte.
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Julius Johnsson
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Julius Johnsson » Mittwoch 13. Januar 2016, 22:08

Obwohl bei ihm der Anblick des von Ida gewählten Treffpunkts keine weitere Besorgnis auslöst, ja die Atmosphäre des Ensembles aus dem phonetisch ansprechenden Namen, dem einladenden Schild sowie der als Insel in der Dunkelheit erscheinenden Beleuchtung versprechen ihm sogar Wohlbehagen und Gemütlichkeit, bleibt Julius mißtrauisch. Nach einigen schnellen Blicken aufs Trottoir öffnet Julius den Kofferraum, holt seine Schrotflinte hervor und vergewissert sich dass sie geladen ist. In der Innenseite seines Mantels ließ sie sich dank einer stabilen Innentasche sowie einer weiter oben angebrachten Schlaufe recht gut verbergen. Selbst wenn sich die Anruferin tatsächlich als Ida herausstellen sollte, wer wusste schon was noch alles passieren konnte?!
Nach Dr. Schmidts Bemerkung über die Berliner Lokale muss Julius kurz auflachen.
"Da haben sie recht!" meint er zustimmend und fügt dann an: "Und mir sagt leider weder der Name des Pianisten noch der des Lokals etwas."
Zuletzt geändert von Julius Johnsson am Donnerstag 14. Januar 2016, 20:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Donnerstag 14. Januar 2016, 08:42

Als Gustaver Julius' Tun am Kofferraum beobachtet, meint er zu dem nun schwer bewaffneten Filmemacher: "Oh! Wir erwarten wohl heute noch Jesellschaft zum Tanzen??" Ohne weitere Worte zu verlieren, schließt er die Beifahrertür seines Wagens wieder auf und holt einen Revolver aus dem Handschuhfach. Diskret und behände prüft er dessen Ladung und verstaut ihn ebenfalls unter seinem Mantel.

"Ick wär dann och soweit", erklärt er und wartet darauf, dass jemand Anstalten macht, als erster die Straße zu überqueren.

Nachdem niemand intuitiv diese Initiative ergreift, seufzt er kurz und bildet wie so oft wieder selbst die Vorhut.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Piotr Cebulski » Donnerstag 14. Januar 2016, 08:46

Piotr macht große Augen, als Herr Johnsson die schweren Geschütze auspackt, doch schweigt dazu.

Als die Herrengruppe kurz darauf die verregnete Straße überquert, stellt er seinen Mantelkragen auf, murmelt sich irgend etwas von "Spolianski" und "Jazz" in seinen Schnauzer und blickt sich unsicher nach rechts und links um.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Isaak Silbermann » Donnerstag 14. Januar 2016, 09:53

Spolianski. Kakadu. Diese Namen hallen in den Ohren des jüdischen Haarkünstlers nach, waren sie doch keine alltäglichen.
Während Isaak - Gustaver über die Straße folgend - noch darüber sinniert, wo und wann ihm diese Eigennamen schon einmal begegnet sind, fällt es ihm kurz vor der Ankunft vor den leuchtenden Buchstaben der Aufschrift "Kakadu" wie Schuppen von den Augen: in dieser Bar arbeitete seine Frau Rachel. Der Moment dieser Überraschung dürfte für die anderen nicht zu übersehen sein, bleibt der souveräne ältere Herr doch plötzlich wie vom Donner gerührt - auf halber Strecke mitten auf der Straße - stehen.
Sicher, sie hatte erwähnt, wie das Lokal hieß, in dem sie Nacht um Nacht eigenwilligen Gestalten die Gläser auffüllte - jedoch hatte er ihr wohl nicht aufmerksam genug zugehört, um sich unverzüglich an diese Namen zu erinnern.
Aber konnte das denn wirklich die Möglichkeit sein? Wie sollte er sich nun seiner Frau gegenüber verhalten, schließlich wusste sie mitnichten, welchen Dingen er hier mit seinen Begleitern auf der Spur war? Sie würde wohl unangenehme Fragen stellen, so wie er sie kannte.

Während Isaak noch in dieser Gedankenschleife hängt, öffnet Gustaver schon unverzüglich die Tür der Bar und es eröffnet sich für den eintretenden Gast der Blick genau auf den Ausschank und damit auf Rachel Silbermann. Intuitiv springt Isaak zur Seite, so dass er von innen nicht in Gewahr genommen werden kann und antwortet mit leiser Stimme auf die irritierten und fragenden Blicke seiner Begleiter: "Hier arbeitet meine Frau! Sie müssen da ohne mich rein ...." Kurz lugt er in Richtung Theke. "Ich hätte viel zu viel zu erklären", murmelt er schließlich kleinlaut.

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Samstag 16. Januar 2016, 13:14

Gustaver steht im Eingang der kaum besuchten Bar wie das sprichwörtliche Reh im Scheinwerferlicht. Sekunden verstreichen viel zu schnell, in denen sein Gehirn die Worte in seinem Rücken wahrnimmt und daraus Handlungsoptionen erstellt - leider zu langsam, denn schon begegnen die Blicke der Damen hinterm Ausschank den seinen.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Der Mentor » Samstag 16. Januar 2016, 13:24

Umgehend hat die sichtlich unterbeschäftigte Frau hinter der Theke, die mit ihrem glamourösen Äußeren so gar nicht zu ihrem bideren Gatten passen will, den Neuankömmling im Eingang erblickt. Sichtlich überrascht lächelt sie und wartet darauf, dass der ihr bereits aus Danzig bekannte Privatdetektiv zu einem Stelldichein näher heran kommt.

Für die hinter ihm stehenden Herren Cebulski, Schmidt und Johnsson bietet sich das Bild einer schummrig beleuchteten, verwinkelten und augenscheinlich recht kleinen Bar. Um mehr zu erkennen, müsste man eintreten - und so erahnt ihr nur eine gute Handvoll Gäste und hört von weiter hinten den bereits angekündigten Tastenkünstler, welcher seinem Pianoforte schwermütige Septakkorde in Moll entlockt.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Samstag 16. Januar 2016, 13:31

Mit einem unterdrückten Zähneknirschen betritt Gustaver den "Kakadu" und setzt auf dem Weg zur Theke sein bestes Pokerface auf, dass er in der Eile zustande bringt. Nicht einmal für einen leisen Fluch bleibt Gelegenheit.

Die anderen drei Herren verbleiben entsprechend exponiert im Eingang stehend.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 16. Januar 2016, 14:45

David folgt Gustaver dann gleich ins Kakadu, um sich ein besseres Bild von diesem Lokal zu machen. Er ist ziemlich verwirrt, dass nun doch zwei von ihnen bewaffnet sind, dass Frau Silbermann hier arbeitet, aber wie immer braucht er nur einige Minuten um all diese Dinge zu verdauen.
Dann fällt es ihm auch ein, woher er den Namen des Pianisten kennt.
"Ich habe diesen Mischa Spolianski schon im "Schall und Rauch" gehört." Er erinnert sich an die paar Male, an denen er dort im Kabarett gewesen war. Kurz muß er lächeln, als ihm eine besonders gelungene Pointe einfällt.

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Julius Johnsson » Sonntag 24. Januar 2016, 21:35

Julius klopft Herrn Silbermann nach dessen Worten mitleidig auf die Schulter, er war in diesem Moment wieder einmal heilfroh dass er sich nicht mit solchen Problemen befassen musste.
"Hier, nehmen sie meinen Autoschlüssel. Da drin ist es wärmer und sicherer als hier draussen!" meint er gutmütig und fährt dann mit zunehmendem Bedenken in der Stimme fort: "Können sie übrigens fahren? Falls es bei uns oder Ihnen schnell gehen muss? Ach, und glauben sie hier an einen Zufall?"

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Isaak Silbermann » Donnerstag 4. Februar 2016, 11:46

"Ja. Immer noch", entgegnet der rüstige Friseurmeister in Anlehnung an die Fahrt von der Villa Lechner in die Berliner Innenstadt, bei der er es schließlich war, der Gustavers Auto gelenkt hatte. Den Wagenschlüssel von Johnssons Limousine nimmt er mit dankbarem Gesichtsausdruck entgegen.

Die Frage nach einer möglichen Verbindung zwischen dem Treffpunkt mit Ida Lechner und dem Arbeitsplatz seiner Frau Gemahlin hatte sich ihm noch überhaupt nicht gestellt, dafür war alles viel zu schnell gegangen.
"Ich hoffe auf einen Zufall", entgegnet er mit belegter Stimme und sorgenvoller Miene. Dann zieht er sich rasch zurück, um Julius nicht allzu lange in ein Gespräch zu verwickeln.

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Der Mentor » Donnerstag 4. Februar 2016, 12:30

Während Filmemacher Johnsson noch mit einer von innen nicht sichtbaren Person außerhalb der Bar spricht, erreichen Gustaver und David, dicht gefolgt von Piotr die Theke.

Ein Blick über die runden Tische zeigt eine gute Handvoll einsame Gestalten der Ober- und Mittelschicht, allesamt ins Zwiegespräch mit ihrem alkoholischen Getränk vertieft. Das Interieur ist schlicht und setzt auf das Wechselspiel von wenig Licht und viel Schatten. Auch der Pianist ist daher nur im Hintergrund jenseits seines Instruments zu erahnen.

Von Ida Lechner hingegen fehlt jede Spur.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Donnerstag 4. Februar 2016, 12:36

"N'Abend, Frau Silbermann", grüßt Gustaver mit noch immer überraschtem und gleichermaßen unbehaglichem Unterton. Auch Piotr nickt freundlich aus der zweiten Reihe und nuschelt einen knappen Gruß.

"Wusste jar nicht, dit Sie hier arbeiten." Sein Blick schweift durchs Lokal und taxiert die Gäste, wie ein Jäger auf Suche nach seiner Beute. Für einen geübten Menschenkenner wie Doktor Schmidt ist dabei klar ersichtlich, dass von Feldess nach Worten sucht und offenbar nur ungern den Grund eures Besuchs vortragen möchte.
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