VIII. Licht & Schatten

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Julius Johnsson
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Julius Johnsson » Montag 4. April 2016, 17:24

Julius ist verunsichert, hatte er überreagiert? Wenn die junge Frau hier drei Stunden gewartet hat, kann es wohl kaum Ida gewesen sein. Irritiert musste er auch immer wieder seinen Blick auf die Zigarette in Frau Silbermanns Mund richten. Obwohl ihn der Anblick des so gierig inhalierten Rauchs leicht ekelte, übte er doch gleichzeitig eine gewisse Faszination auf Julius aus.
Entschuldigend blickt er in die Runde und meint, von Frau Silbermanns Hustenanfall umrahmt:
"Ich hatte eigentlich nach einer jungen Frau gefragt die KURZ vor uns hier gewesen ist."
Als der Husten abgeklungen ist wendet sich Julius wieder an die Bardame: "Sagen sie Frau Silbermann, sahen die zwei Männer zufällig wie Kriegsveteranen aus? Und hat die Frau vielleicht telefoniert während sie hier war?"

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Rachel Silbermann
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Rachel Silbermann » Samstag 16. April 2016, 20:45

Rachels Augen blicken leicht gerötet erst zu David und schließlich zu Julius, die ihr erneut fragend begegnen.
"Ach, natürlich - Kriegsveteranen!" - Rachel antwortet mit kratziger Stimme und schüttelt ein wenig fassungslos den Kopf - "...dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin. Ja, das könnten welche gewesen sein. Sie sahen ziemlich erbärmlich und heruntergekommen aus, einer der beiden hatte ein lahmes Bein."

Kurz wirft die Bardame Rachel Silbermann einen prüfenden Blick zum Tresen, um den Überblick zu behalten. Gerade wird sie nicht gebraucht.
Sodann fährt sie fort: "Und ja, diese junge Frau hat telefoniert - zweimal, wenn ich mich richtig erinnere." Dann gerät sie ins Grübeln bezüglich Davids letzter Frage. "Nun ja, ich habe dieser Situation wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Aber jetzt, wo Sie mich direkt fragen...ein berunruhigendes Gefühl hatte" ich schon, als diese Frau mit den beiden Männern ging." Rachel wirkt nun deutlich verunsichert, sie kaut an einem Fingernagel und macht große Augen: "Ich hoffe ihr ist nichts passiert." Der Aussage haftet eindeutig eine Frage an. Fast ein wenig ängstlich schaut Rachel von David und Julius ausgehend zu Piotr und schließlich zu Gustaver. "Warum wollen Sie das denn alles bloß wissen? "

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Sonntag 17. April 2016, 12:54

"Danke, Frau Silbermann", sagt Gustaver mit der Ruhe und Bestimmtheit eines Richters bei der Zeugenvernehmung. "Die Fragen meiner Begleiter haben mit meiner Arbeit zu tun, wir können leider nicht darüber sprechen." Kurz täuscht er Raum für eventuelle Widerworte an, fährt jedoch preußisch-väterlich fort, bevor diese geäußert werden können: "Seien Sie unbesorgt, der juten Frau fehlt bestimmt nichts."

Ein Blick in die Runde folgt - "Haben wir sonst noch Fragen? Ansonsten würden wir dann auch gerne gleich zahlen." So ganz gelingt es dem Ermittler nicht, seine Unruhe zu verbergen, als er mit fahrigen Bewegungen eine weitere Zigarette hervor fingert und diese entzündet.
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Piotr Cebulski
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Piotr Cebulski » Sonntag 17. April 2016, 12:58

Cebulski schüttelt das gesenkte Haupt und ist dabei bemüht, seine aufkeimende Sorge durch eifriges Rühren in der vor ihm stehenden Kaffeetasse zu überspielen.
"Wo Gewalt regiert, gibt es nur zwei Parteien. Die eine schreit öffentlich ja, die andere knirscht ingrimmig nein. Wo Freiheit waltet, gibt es tausend Meinungen."

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Julius Johnsson
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Julius Johnsson » Montag 18. April 2016, 10:13

Gedanken schiessen Julius dirch den Kopf: Verdammt! Sie hatte zwei mal telefoniert, in Anwesenheit der Halunken! Das musste heissen dass das Treffen als Falle geplant war. Aber warum waren sie dann so schnell verschwunden? Oder warteten sie um die nächste Ecke?
"Nein, Gustaver. Und danke, sie haben uns sehr geholfen Frau Silbermann!" antwortet Julius und zahlt sogleich einen ausreichenden Betrag, Er hatte den Kaffee ja schließlich auch bestellt.
Den Anderen raunt er zu als Frau Silbermann ausser Hörweite ist:
"Wir sollten auf alles gefasst sein, wenn wir das Lokal verlassen. Das hier war offensichtlich eine Falle und vielleicht ist es das immer noch!"
So wird auch Julius das Lokal mit einem Arm im Mantel verlassen, bereit die Schrotflinte heraus zu reissen.

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Piotr Cebulski
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Piotr Cebulski » Montag 18. April 2016, 12:08

Als Frau Silbermann den Tisch verlässt, kann Piotr vor Aufregung kaum noch an sich halten. Julius Worten lauscht er aufmerksam, doch legt sich dabei ein Ausdruck auf seine Züge, der nicht nach Zustimmung, sondern viel mehr Überraschung aussieht. "Wieso Sie das meinen?", fragt er entsprechend verdutzt. "Das doch alles passt ... Fräulein Ida hat zweimal telefoniert am Nachmittag, wie wir wissen ... zuerst mit Frau Unger und dann mit Gustaver. Offenbar sie hat das getan von hier aus."
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Montag 18. April 2016, 12:10

"Dit können wir klären", meint Gustaver und winkt Rachel Silbermann erneut heran, um die genaue zeitliche Abfolge der Telefonate und des Auftauchens der Veteranen zu erfragen.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Der Mentor » Montag 18. April 2016, 12:13

Die Bardame erklärt bereitwillig, dass die beiden Männer erst kurz vor dem gemeinsamen Aufbruch im "Kakadu" aufgetaucht sind und insgesamt nur eine gute Viertelstunde zu Gast waren, während die Telefonate schon in der längeren Zeitspanne vorher stattfanden, als das junge Fräulein noch alleine war.
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Montag 18. April 2016, 12:15

"Scheiße", knirscht der Privatdetektiv, als man wieder unter sich ist. "So wie ick dit sehe, kann dit nun zwei Sachen bedeuten: entweder, Julius hat Recht, oder die haben sich dit Mädel direkt vor unserer Nase wegjeschnappt!"
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Piotr Cebulski » Montag 18. April 2016, 12:20

Piotrs Miene verzieht sich sorgenvoll bei dem Gedanken daran, was die zwei schmierigen Veteranen mit dem Mädchen anstellen könnten, sollte Gustaver Recht haben. "Was wir denn nun sollen tun??", fragt er mit unterschwellig bebender Stimme.
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Julius Johnsson » Donnerstag 28. April 2016, 09:36

"Nun, das stimmt wohl" meint Julius nickend zu Piotrs erster Erwiderung. "Aber warum hat sie hier Stunden lang herum gesessen? Und warum hat sie sich nicht gegen die beiden Männer gewehrt, zum Beispiel geschrien? Und vor allem: Woher wussten die beiden dass sie hier sein würde?" stellt Julius aus seiner Sicht unbeantwortbare Fragen in den Raum.
Zu Piotrs zweiter Bemerkung meint Julius mit zweifelnder Stimme:
"Wir könnten im Hause Lechner nachfragen ob sie etwas Neues gehört haben, vielleicht haben sich die Männer ja dort gemeldet. Das könnten wir auch telefonisch von hier aus erledigen. Oder sie haben es bei Gustaver probiert, seine Nummer dürften sie ja auch haben. Ansonsten weiss ich auch nicht wie wir weiter verfahren sollen, außer unseren ursprünglichen Plan beizubehalten und uns als Nächstes das Internat anzuschauen. Und wir sollten damit rechnen beim Verlassen des Lokals beobachtet, wenn nicht gar angegriffen zu werden!"

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Dr. David Schmidt » Dienstag 3. Mai 2016, 11:31

David hat zugehört und ist selber am Überlegen, was sie denn nun als nächstes tun sollen. "Bedrohte Leute schreien manchmal nicht, verhalten sich überhaupt nicht der Situation angemessen. Manchmal hat es den Anschein, dass obwohl ihnen Schlimmes widerfährt sie versuchen, die Situation so normal wie möglich erscheinen zu lassen", beantwortet er dann Julius Mutmassungen. "Natürlich kann es trotzdem eine Falle sein, oder nun zu einer geworden sein, da sie das Mädchen haben." Kurz überlegt er. "Gustaver, Telefone kann man doch auch abhören, oder? Zumindest alle Telefonate mit Frau Unger könnten sie so mibekommen haben. Das bedeutet aber auch, dass wir nicht einfach dort anrufen sollten. Wir sollten zu Herrn Lechners Haus fahren, um direkt von Frau Unger zu erfahren, ob sie etwas von Ida gehört hat."
"When in doubt, reach for the stars. That way you'll never come up short."

"Wurde bei einem Freud Kongress weggeschickt, weil ich zu Jung bin." (unbekannt)

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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Gustaver von Feldess » Dienstag 3. Mai 2016, 12:07

"Sicher", bejaht Gustaver Davids Mutmaßung hinsichtlich der Möglichkeit, Telefonate mitzuhören. "Wenn man weiß wie, ist dit schon möglich." Stirnrunzelnd meint er weiter: "Vielleicht hatte eine der Flitzpiepen ja auch ne Bleispritze oder ne Klinge versteckt auf dit Mädchen jerichtet? Oder sie haben sie mit wat anderem bedroht, falls sie aufmuckt ... ihren Vater oder ihre Schwester kaltmachen vielleicht? Allet denkbar ..."

Beiläufig verstaut er seine Zigaretten. "Wir sollten in jedem Fall nochmal bei den Lechners Zuhause vorbei und klären, ob sich die Entführer dort jemeldet haben."
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Piotr Cebulski » Dienstag 3. Mai 2016, 12:09

"Und danach wir sollten unbedingt schnell fahren zu dem Internat", sagt Piotr. "Dort ja scheinen alle Stricke zusammen zu laufen!"
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Re: VIII. Licht & Schatten

Beitrag von Der Mentor » Mittwoch 4. Mai 2016, 14:30

Angetrieben von den jüngsten Ereignissen verlässt die Herrenrunde den "Kakadu". Rachel Silbermann verabschiedet die Truppe und kurz meint man, sie wolle die Herren bis zur Tür begleiten, doch ein durstiger Gast fordert ihre Aufmerksamkeit und so verbleibt man mit einem kurzen "bis demnächst mal wieder". Gustaver hinterlässt außerdem geistesgegenwärtig Grüße an den Gemahl Isaak, um jeden Verdacht zu zerstreuen, dass man heute Abend gemeinsam unterwegs sei.

Der Friseurmeister a.D. wartet hinter den mit Regentropfen gesprenkelten Scheiben von Julius Johnssons Gefährt. Mit hochgestelltem Mantelkragen und in den Ärmeln vergrabenen Händen hat er die gute halbe Stunde, die seine Begleiter in der Bar waren, fröstelnd auf dem Beifahrersitz verbracht. Noch immer niselt es.

Johnssons Befürchtungen erweisen sich offenbar als unbegründet, sodass er seine Schrotflinte wieder im Kofferraum verstauen und stattdessen seinen Mantel überstreifen kann. Isaak kann zudem berichten, dass sich vor dem "Kakadu" zwischenzeitlich nichts erwähnenswertes getan hat.

Von Feldess und Cebulski besteigen rasch das andere Auto und wie besprochen bricht man sogleich auf in Richtung Grunewald zur Villa Lechner. Unterwegs bringen Dr. Schmidt und Julius Johnsson Silbermann noch auf den neusten Stand, sodass alle gleichwohl im Bilde über die jüngsten Geschehnisse sind.


[Es geht weiter im nächsten Kapitel]
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