IX. Schöner wohnen am Tegeler See

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Dr. David Schmidt
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Dr. David Schmidt » Donnerstag 2. Juni 2016, 22:01

Ganz leise flüstert David, "Ich kann gar nichts mehr sehen. Weiss jemand, ob wir überhaupt in die richtige Richtung gehen?" Es ist furchtbar, nicht nur, dass er nichts mehr sah, er wollte einfach nur wissen, ob eigentlich noch irgendjemand seiner Begleiter da war. Dass er sich beobachtet vorkommt, schiebt er eher auf die Situation, doch nichtsdestotrotz lauscht er in die Dunkelheit, um irgendetwas wahrzunehmen, von seinen Weggefährten als auch den Dingen, die da irgendwo draussen lauern mochten.

Es ist nicht zum ersten Mal, dass er sich denkt, dass er um diese Zeit schon bequem zu Hause im Warmen sitzen konnte, oder in der Klinik. Alles war besser, als da in der klammen Dunkelheit herumzuirren.
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Der Mentor
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Der Mentor » Samstag 4. Juni 2016, 12:56

Davids Stimme dringt gedämpft an eure Ohren. Es tut gut zu wissen, dass der Irrenarzt noch zugegen ist und ihr nicht alleine durch die Finsternis tappt!

Eure Füße haben sichtlich Mühe, Halt auf dem zusehends unebenen Gelände zu finden. Assoziationen zahlreicher Maulwurfshügel und kleinerer Mulden und Erdverwerfungen kommen euch in den Sinn und mehr als nur einmal strauchelt ihr und könnt eine unsanfte Kollision mit dem Erdboden nur knapp abwenden.

Kurz nachdem ihr nach mehreren Dutzend Metern beinahe in eine Tanne hinein gelaufen seid - eure nächtliche Aktion im Tierpark erscheint im Vergleich durch hervorragende Lichtverhältnisse gesegnet gewesen zu sein - fällt das Terrain vor euch leicht ab - scheinbar ein flacher Hang oder eine Böschung?

Irgendwo in der Ferne hört ihr ein Geräusch - zunächst so schwach, dass ihr meint, euer Verstand würde euch einen Streich spielen. Es scheint ein leises Wimmern oder Wehklagen zu sein, dessen Quelle jedoch unklar ist, da der Nebel sämtliche Laute mit einem unnatürlich erscheinenden, diffusen Echo versieht.

Eure Nackenhaare stellen sich auf ...
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Julius Johnsson
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Julius Johnsson » Sonntag 5. Juni 2016, 01:22

So dicht hatte Julius den Nebel nicht eingeschätzt und er wähnt sich fast in einem seiner Filme wenn sie in besonders spannenden Momenten etwas Nebel durchs Bild wabern liessen.
"Bevor wir uns verlieren sollten wir vielleicht doch eine Taschenlampe einschalten und im Gänsemarsch mit einer Hand auf der Schulter des Vordermanns weitergehen" antwortet er leise Dr. Schmidts Stimme.

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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Piotr Cebulski » Sonntag 5. Juni 2016, 13:56

"Ihr das ... habt gehört?", fragt Piotr zeitgleich mit Julius' Vorschlag.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Gustaver von Feldess » Sonntag 5. Juni 2016, 14:01

Der Lichtkegel von Gustavers Taschenlampe blendet unmittelbar darauf auf und erhellt ein kleines Stück des Untergrunds zu seinen Füßen. Gras. Erde. Steine.

Sofort verlischt die Lichtquelle wieder.


"Dit bringt nichts ... so werden wir nur besser jesehen!", flucht der Privatdetektiv leise.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 5. Juni 2016, 14:04

In der Tat - zwar würde die Lampe die Dunkelheit ein Stück weit auf Distanz halten, doch vermag sie gegen den dichten Nebel nichts auszurichten. So seht ihr in dem kurzen erleuchteten Moment lediglich weiße Schwaden, die euch umgeben, einen kleinen Ausschnitt des Bodens zu euren Füßen und den grauen Umriss der soeben umgangenen Tanne in etwa 3 Metern Distanz.

So ist das scheinbar desnachts im Januar an einem Seeufer. Oder ... ?

Wieder hört ihr das Wimmern.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Julius Johnsson » Montag 6. Juni 2016, 18:52

"Verdammt, was war das?" zischt Julius und richtet intuitiv seine Flinte in die Richtung, aus der das Geräusch zu kommen schien.

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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Gustaver von Feldess » Dienstag 7. Juni 2016, 08:00

Gustaver tut es Julius gleich und macht seine Waffe schussbereit. Für seine nachtblinden Mitstreiter zeugt nur das Klicken des Spannhahns von seiner Aktion.

"Keinen Schimmer, aber's kommt von da drüben", flüstert er - als ob irgendjemand derzeit wisse, was mit "da drüben" gemeint ist. Langsam und pirschend bewegen sich seine Schritte den flachen Hang hinab.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Der Mentor » Dienstag 7. Juni 2016, 08:11

Das Wimmern wird binnen eines Dutzends an Schritten merklich lauter. Der Untergrund zu eurem Füßen ändert sich und Erdboden weicht leise knirschendem, grobem Kies, während das Terrain wieder abflacht.

Quell des Wimmerns scheint eine Männerstimme zu sein ... schluchzend, verzweifelt, hilflos ... irgendwo unweit vor euch.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 11. Juni 2016, 20:59

Irgendwie kommt David die ganze Aktion mit einem Mal ziemlich ausweglos vor. Sie konnten nichts sehen, auch etwas Licht wie eine Taschenlampe schadet mehr als es nützt, aber irgendwo vor ihnen scheint doch jemand auf ihre Hilfe angewiesen zu sein, oder ist es eine Falle?

Der Arzt bemerkt in diesem Moment, dass seine Schultermuskulatur schon schmerzhaft verspannt ist. Da ist zunächst die Kälte, ob derer man die Schultern etwas hochzieht und die ganze Situation in der sie sich befinden erhöht die Spannung, im wahrsten Sinne des Wortes nur noch. Ganz bewusst atmet er einmal aus und entspannt damit die Schultern- dadurch ist er jetzt auch durchaus flexibler und bereiter auf alles was nun vor ihnen liegt zu reagieren.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Isaak Silbermann » Sonntag 26. Juni 2016, 20:39

Einige Male ist Isaak knapp einem Sturz in diesem unliebsamen Gelände entkommen, die Dunkelheit zermürbt ihn, zumal seine Augen sich schon seit einigen Jahren nur schwer an weniger optimale Sichtverhältnisse gewöhnen.

Das kurze Aufflackern von Gustavers Taschenlampe erscheint ihm wie ein Moment des Innehaltens und gibt ihm Hoffnung, doch noch das Ziel auf beiden gesunden Beinen erreichen zu können. Aber was ist nun eigentlich das Ziel - das Internatsgebäude? Die wehklagende Person, deren leidvolle Stimme sich wiederholt bemerkbar macht?

Die verbalen Äußerungen seiner Leidensgenossen dringen nur sehr leise an seine Ohren, das Jammern dagegen erscheint ihm unendlich laut und eindringlich. Gedanken an qualvolle Leiden gefangener Seelen im Fegefeuer tauchen in ihm auf; Bilder, die Grauenvolles zeigen und bis zu seinem Innersten durchdringen. Isaak muss hörbar schlucken.

Aufkommende Zweifel an der Richtigkeit seines abendlichen Ausfluges versucht er zu unterdrücken, indem er um seiner selbst Willen tunlichst darauf bedacht ist, geräuscharm langsam einen Fuß vor den anderen zu setzen und mit jedem Schritt vorsichtig den Untergrund "abzutasten". Das erdrückend wirkende Wimmern reißt ihn jedoch aus seiner Konzentration - Furcht breitet sich langsam aber sicher in ihm aus und seine schwitzigen Hände tasten sich durch die Manteltasche. Ob so ein Rasiermesser wirklich als ernsthafte Waffe zu gebrauchen ist?

Strauchelnd greift er intuitiv nach seinem Vordermann, ohne Julius' Vorschlag dahingehend zuvor vernommen zu haben. Fest und krampfend drückt seine linke Hand auf die Schulter von David, ein wenig sicherer fühlt er sich nun. "Wir sollten der Stimme nicht folgen", haucht er ihm ins Ohr.

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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Julius Johnsson » Dienstag 28. Juni 2016, 17:49

Julius folgt langsam Gustaver in Richtung der Stimme, fast krampfhaft seine Flinte umklammernd. Die ganze Situation kam ihm auf einmal unwirklich vor, erst dieser Nebel der scheinbar jedes Licht und jede Stimme von ihnen verschlucken konnte und dann dieses unerträgliche Wimmern. Ein Schaudern durchfährt ihn und plötzlich bekommt er es mit der Angst zu tun.
"Stop!" entfährt es seinem Mund und er hält Gustaver fest. Dann wendet er sich nach den Anderen um.
"Wir sollten wirklich zusammen bleiben" meint Julius, dem nun eher seine Angst als sein Gehirn zu diesem Vorschlag verhilft.

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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Der Mentor » Donnerstag 30. Juni 2016, 11:43

Der pirschende Vormarsch der nächtlichen Wanderer gerät ins Stocken. Stimmen reden gedämpft durcheinander, Hände tasten nach dem Vordermann. Unsicherheit umschwebt euch so dicht wie die klammen Nebelschwaden. Dazu das nahe Wimmern in der Dunkelheit, dass eurer Fantasie unbekömmliches Futter liefert und an euren Nerven zehrt.

Wie soll es nur weitergehen?
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 2. Juli 2016, 00:28

Leise meint David, "Ich weiss nicht, wir können doch nicht einfach ignorieren, dass vielleicht jemand unsere Hilfe braucht?!" Auch er hat Angst und irgendwie kommt er sich sehr töricht vor. Wie waren sie nur in diese Angelegenheit gerutscht, die doch um soviel grösser zu sein scheint, als dieses kleine zusammengewürfelte Häuflein.
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Re: IX. Schöner wohnen am Tegeler See

Beitrag von Der Mentor » Samstag 2. Juli 2016, 09:24

Mehrere Dinge geschehen nun zugleich: während Julius versucht, die Gruppe zum Anhalten zu bewegen - seine Hand greift aufgrund der Dunkelheit vergeblich nach Gustavers Schulter - machen letztgenannter, ebenso wie Piotr, noch einige weitere Schritte. Ein dumpfes Geräusch ertönt vor euch, gefolgt von einem "Hnngh! Mist!" aus von Feldess Mund. Allesamt zuckt ihr erschrocken zusammen.

Der Schein seiner Taschenlampe blendet auf, um zu sehen, gegen welches Hindernis er gelaufen ist.

Direkt vor euch parkt ein viertüriges, schwarzes Auto, mit dessen vorderem Kotflügel Gustaver soeben kollidiert ist. Der knirschende Untergrund erweist sich als grober Kies, wie man ihn auf dem Vorplatz eines Herrenhauses oder Internats erwarten würde. Wenige Meter hinter dem Fahrzeug erhebt sich wuchtig die imposante Silhouette des ehemaligen Internats im Nebel. Dunkel, bedrohlich und ohne jedwedes Anzeichen, dass sich jemand im Inneren aufhalten könnte.

Die klagende Stimme scheint von unmittelbar hinter dem Auto zu kommen. Ein in Tränen aufgelöster Mann (?) stammelt da vor sich hin:
"... war immer ... nett zu mir ..."
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