I. Scherbenhaufen

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Isaak Silbermann
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Isaak Silbermann » Dienstag 27. August 2019, 21:15

Äußerlich scheint Isaak still und weitgehend ruhig, doch in seinem Innern erlebt er Turbulenzen durch Gedanken, Gefühle und viele Fragen. Unfassbar ist Situation, in die sie geraten sind und die jetzt nicht mehr nur "ihre persönliche Angelegenheit" ist, sondern durch die Polizei einen öffentlichen Charakter bekommt. Auf Fragen müssen Antworten formuliert werden, die nicht der Wahrheit des Erlebten entsprechen - diese Tatsache stresst Isaak am meisten. Immer wieder wischt er sich seine schwitzigen Hände an seiner Stoffhose ab und bleibt lange Zeit wortkarg.

Als das Gespräch auf die Erklärungsversion für die Polizei kommt, kann Isaak sich endlich seiner gedanklichen Abwesenheit entledigen und verfolgt aufmerksam und nickend die Beiträge seiner Mitstreiter. Auf Piotrs Bedenken entgegnet er schließlich: "Gut, dass Du daran gedacht hast. Nein, vom Hauptmann sollten wir nichts erwähnen. Wir könnten berichten, dass der alte Lechner uns beauftragt hat, seine Tochter zu finden. Damit wäre geklärt, wie wir zur Villa Lechner gekommen sind." Isaak schaut fragend in die Runde.

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Dr. David Schmidt
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Montag 2. September 2019, 19:21

"Hmm", macht David nur und überlegt, "ja, das stimmt den Hauptmann sollten wir heraushalten, aber Herr Lechner ist auch keine so gute Idee, der ist schon seit einiger Zeit nicht wirklich in der Lage irgendjemanden mit irgendwas zu beauftragen". Kaum hat er es ausgesprochen, bereut er es, sitzt doch Ida bei ihnen. Weiss sie überhaupt wir es ihrem Pflegevater geht. Er sieht zu ihr hinüber.
"When in doubt, reach for the stars. That way you'll never come up short."

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Der Mentor
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Der Mentor » Mittwoch 4. September 2019, 09:13

Ein sanfter Ruck geht durch das Fahrzeug und Doktor Schmidt ist gezwungen, seine weiteren Gedanken zugunsten eines reflexhaften Tastens nach Halt auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Der Polizeibus kommt zum Stehen und ihr hört wie der Motor abgeschaltet wird, wie sich Fahrer- und Beifahrertür öffnen und kurz darauf wieder schließen.

Ihr alle erwartet knirschende Schritte auf Kies - das ruckartige Öffnen der vergitterten Hintertür - danach eine unsanfte Gängelei in ein aus Backstein gemauertes Polizeigebäude - ein ungehendes Verhör - oder vielleicht auch direkt eine Gefängniszelle ... ?

Doch nichts geschieht.

...

Zähe Augenblicke verstreichen.

Dann öffnet sich die Fahrertür erneut und ihr spürt das sanfte Nachgeben der Stoßdämpfer, als sich jemand auf den zugehörigen Sitz sinken lässt.

Der Motor zündet knatternd ... und der Bus setzt seine Fahrt wieder fort.
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Julius Johnsson » Freitag 6. September 2019, 21:54

Als der Wagen stoppt versucht Julius etwas von dem, was draussen wohl vor sich geht zu erlauschen indem er sein Ohr an die Seite presst.
Auch er rechnet mit einer sich öffnenden Hintertür und ist sichtlich verdutzt, als sich der Wagen mit einem vermutlich neuen Fahrer wieder in Bewegung setzt. Fragend sieht er seine Gefährten an. Ihm schiessen zwei Gedanken durch den Kopf: Entweder Ihnen sollte ohne viel Aufsehen kurzer Prozess gemacht werden oder aber die unbekannten Mächte, die sie ursprünglich in diesen Fall gezogen haben, retten sie gerade aus der Bredouille.

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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 8. September 2019, 10:04

Weder Julius noch sonst einem der Insassen will es gelingen, den Inhalt des draußen Gesprochenen zu entziffern. Auch bleibt unklar, wer sich dort unterhält oder wieviele Personen an dem kurzen Dialog beteiligt sind.

Euch ist durchaus ein wenig mulmig zumute ... als ob ihr nicht schon genug mitgemacht hättet!
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Dr. David Schmidt
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Samstag 14. September 2019, 21:58

David, der sich schon auf ein Verhör eingestellt hatte ist nun ziemlich beunruhigt. Er hegt ähnliche Gedanken wie Julius, allerdings befürchtet er ersters, also das man sie jetzt irgendwo "verschwinden" lassen würde. Zwar spricht dagegen, dass es dafür eigentlich keinen triftigen Grund gibt, zumindestens keinen, den sie kennen, aber in der Dunkelheit, übermüdet überwiegen negative Überlegungen.

Irgendwann hält er es nicht mehr aus und wispert
, "Was ist da nur los? Wo werden wir hingebracht?"
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Re: I. Scherbenhaufen

Beitrag von Der Mentor » Dienstag 24. September 2019, 10:00

Noch ehe jemand Gelegenheit hat, auf Davids Frage zu antworten, wird der Polizeibus erst langsamer und kommt dann gänzlich zum Stehen.

Als die rückwärtige Tür von außen geöffnet wird, blicken diejenigen, die sie kennen, in das Gesicht von Polizei Hauptmeisterin Grete Herzog. Die anderen erblicken eine hagere, spröde wirkende Frau Ende 30 in einem fast bodenlangen, eng anliegenden Wintermantel. Über ihre Schultern hinweg seht ihr die mit Unrat zugestellten Backsteinwände einer schmalen Hintergasse, darüber den bleibgrauen Morgenhimmel.


"So, Endstation", sagt sie mit kratziger Stimme und bedeutet euch, auszusteigen.

Eventuelle Fragen oder Kommentare eurerseits überhört sie entweder oder wischt sie mit einer sparsamen Geste beiseite.
"Jetzt ist nicht die Zeit für Fragen", erklärt sie und "Die Polizei wird Sie nicht weiter behelligen."

Sie fischt eine Zigarette aus dem silbernen Etui in ihrer Manteltasche und entzündet diese begierig. Nach zwei tiefen Zügen - und ungeachtet weiterer Gesprächsversuche eurerseits - fährt sie fort: "Gehen Sie nach Hause. Ruhen Sie sich aus und halten Sie sich in der nächsten Zeit bedeckt, Sie haben heute Nacht Großes geleistet."

An Ida gewandt sagt sie: "Kommen Sie, Kindchen, ich fahre Sie nach Hause."

Während ihrer Worte marschiert sie auch schon wieder zur Fahrerseite des Busses, öffnet die Tür und schwingt sich auf den erhöhten Sitz. Aus dem offenen Fenster ergänzt sie noch mit ernstem Blick: "Von Feldess ist in guten Händen ... mehr können wir derzeit nicht tun."

Das letzte Drittel der Zigarette mit einem Zug aufsaugend, schnippt sie den Stummel achtlos gegen eine Hauswand, wo er wiederum in einem Funkenregen zu Boden fällt. "Halten Sie sich bedeckt und gehen Sie wieder Ihrer Arbeit nach. Wir melden uns bei Ihnen ..."

Dann kurbelt sie das Fenster hoch, betätigt die Zündung und rollt mit knatterndem Motor davon.

Ihr bleibt alleine in der Gasse, vermutlich irgendwo in einem Randgebiet von Berlin, zurück.


[Es geht weiter im nächsten Kapitel]
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