II. Jeder auf eigenen Füßen

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Dr. David Schmidt
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II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Sonntag 29. September 2019, 17:55

Irgendwie fühlte sich David jedesmal wenn er mit Frau Grete Herzog zusammentraf wie von einem Zug überfahren, aber diesmal war er doch froh, dass sie die kleine Gruppe aus der Angelegenheit herausgerettet hatte.
Allerdings waren sie ja irgendwo und mußten so wie sie aussahen auf jeden Fall irgendwie zu Fuß zu ihrem jeweiligen zu Hause kommen. Das wäre ja noch das Beste, wenn sie jetzt wegen Landstreicherei verhaftet werden würden.
Müde und ausgelaugt meint er dann,
"Hmm, wir sollten ihrem Rat folgen und einmal nach Hause gehen." Die Idee morgen zur Arbeit zu gehen baute sich wie eine dunkle Gewitterwolke vor ihm auf. Da war fast kein Schlaf möglich. Hoffentlich erfuhren sie bald wie es Gustaver ging.
"When in doubt, reach for the stars. That way you'll never come up short."

"Wurde bei einem Freud Kongress weggeschickt, weil ich zu Jung bin." (unbekannt)

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Julius Johnsson
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Julius Johnsson » Sonntag 20. Oktober 2019, 21:45

Julius schnauft laut und erleichtert auf als sich die Situation aufklärt. Er dankt der ihm fremden Frau und blickt dann müde aber glücklich in die Runde.
"Sobald es Gustaver besser geht müssen wir uns unbedingt treffen und unsere Erlebnisse Revue passieren lassen. Ich fürchte ich werde sonst alles für einen bösen Traum halten!"
Dann schaut er etwas ratlos, "weiß irgend jemand wo wir hier sind?"

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Piotr Cebulski
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Piotr Cebulski » Sonntag 27. Oktober 2019, 09:52

Piotr verfolgt das sich entspinnende Gespräch mit Zurückhaltung. Als Frau Herzog schließlich mit Ida im Schlepptau davon gefahren ist, fragt er David: "Wer die Dame war? Sie sich schienen zu kennen?" Auf Julius' Frage hin schüttelt er den Kopf. "Vielleicht wir treffen an der nächsten Hauptstraße jemanden, den wir können fragen?", regt er an.
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Dr. David Schmidt
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Sonntag 17. November 2019, 15:00

"Das war Frau Grete Herzog. Sie arbeitet bei der Polizei; Gustaver meinte sie ist dort im Bereich Jugendkriminalität, wenn ich mich recht erinnere, eingesetzt", er macht eine kurze Pause, "aber wie wir am eigenen Leib erfahren haben, gibt es anscheinend noch etwas anderes woran sie arbeitet...hmm, wenn ich es recht bedenke, habe ich sie zum ersten Mal gesehen, als ich durch den Grund warum ich eigentlich in diese Angelegenheit gezogen wurde, in Schwierigkeiten war. Wir hatten ja alle so einen Brief erhalten und es wurde uns ja gestern, oder war das vorgestern bei dem Treffen im alten Zoo erklärt, man hätte uns damals geholfen und nun könnten wir uns revanchieren. Wie auch immer, sie stand damals also plötzlich eines morgens rauchend auf meiner Veranda. Warum sie mich damals besucht hatte blieb sie mir schuldig." David wirkt nun noch grummeliger als er sich an diesen Tag erinnert. Klar wird im auch, dass es damals mit den seltsamen Ereignissen angefangen hatte, also als damals sein junger Patient so einfach verschwunden war.
"Gute Idee, gehen wir einmal zur nächsten Hauptstrasse!", wechselt er recht abrupt dann das Thema, "Vielleicht hilft uns ja schon der Strassenname weiter"
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Der Mentor
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Der Mentor » Sonntag 24. November 2019, 15:11

Wer Grete Herzog bislang nicht kannte, vermag nun anhand Dr. Schmidt's Beschreibung einzuordnen, wer euch da den Kopf aus der Schlinge gezogen hat. Polizisten, die gegen andere Polizisten - und geltendes Recht - agieren, um Niemande wie euch zu schützen. Der Gedanke erscheint euch noch immer etwas absurd.

David's Vorschlag folgend marschiert ihr dennoch los, um euch zu orientieren. Die nächsten zwei Straßenschilder sagen euch nichts, aber bevor ihr eines Passanten habhaft werdet, um diesen zu befragen, seht ihr ein Taxi die Straße hinunter auf euch zukommen. Das Heben eines Armes genügt und kurze Zeit später findet ihr euch im Warmen wieder.

Euer Fahrer kann - natürlich etwas irritiert - aufklären, dass ihr euch in Wilhelmstadt, einem nahe der Havel gelegenen Teil des Bezirks Spandau aufhaltet.
"Bis ins Zentrum sind dit dreißig Minuten", erklärt der Mann. "Oder wo darf die Reise hinjehn?"
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - F. Nietzsche, Aph. 146

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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Piotr Cebulski » Montag 25. November 2019, 19:46

Piotr, der zufällig auf dem Beifahrersitz gelandet ist, entgegnet schlicht: "Ich allzu gerne einfach möchte reisen nach Hause." Unter engagiertem Reiben wärmt er sich die Hände an der leise säuselnden Frontheizung und nennt dem Fahrer sein Wunschziel.
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Julius Johnsson » Samstag 30. November 2019, 21:50

Auch Julius hat für diesen Tag mehr als genug erlebt und Piotrs Worte lassen den Gedanken an sein trautes Heim und sein weiches Bett fast wie einen Wunschtraum erscheinen. Als Julius klar wird dass dieser Traum in greifbarer Nähe liegt können seine Gedanken nicht mehr davon ablassen und in einem Zustand zwischen Halbschlaf und Trance sieht er sich mit einem Glas Whisky in der Badewanne liegen. Gerade noch kann er dem Fahrer seine Adresse mitteilen bevor es ihn wieder zurück in seine Traumwelt zieht.

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Dr. David Schmidt
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Dr. David Schmidt » Sonntag 1. Dezember 2019, 18:18

David ist überrascht, dass der Taxifahrer sie in ihrem Zustand überhaupt mitgenommen hat, nicht einmal Geld zur Sicherheit hatte er bisher verlangt. Auch er will nichts anderes als nach Hause, aber nach dem Erlebten ist er doch noch immer vorsichtig und so nennt er nicht genau seine Adresse, sondern eine etwas 1-2 Minuten von seinem Haus entfernt.
Ansonsten geht es ihm wie den anderen, Ach, das würde wundervoll sein, wenn ihm endlich wieder warm wäre, er gewaschen dann einfach ins Bett fallen würde.
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Isaak Silbermann » Montag 20. Januar 2020, 11:01

Erst jetzt während der Taxifahrt hat auch Isaak das Gefühl, einigermaßen zu sich zu kommen und überhaupt wieder "anwesend" zu sein. Seine Augen verfolgen achtlos die Passanten, die jenseits der Scheiben vorbeiziehen und ihn daran erinnern, dass die große Stadt ebenfalls gerade erst gemächlich in die Gänge kommt.
Die schweigsame Atmosphäre auf der Rückbank tut ihm gut und hilft, die hinter ihnen liegenden Ereignisse unerwartet schnell abzustreifen, denn auch Isaak gibt sich Fantasien hin, wie seine Rückkehr in die "traute Realität" aussehen könnte: seine Ankuft zu Hause, die Fragen seiner Frau, die Monotonie des Geschäftsalltags.
Die Macht der Verdrängung ist groß! Wenn man sich nicht mehr in der Vergangenheit verlieren will (oder kann), so flüchte man einfach in die Zukunft. Was ausbleibt ist das Luftholen, der Moment des Wahrnehmens und Anerkennens dessen, was ist. Vermutlich hätte sie alle der Austausch von Gefühlen, Eindrücken oder Lösungsansätzen in diesem Moment überfordert, der turbulenten Ereignisse waren es zu viele in kurzer Zeit.
Und so antwortet Isaak auf Julius' Wunsch, sich bald zu treffen um die Erlebnisse "Revue passieren zu lassen", nur mit einem: "Ja, hoffen wir, dass es Gustaver schnell besser geht. Das ist das Wichtigste. Den Rest müssen wir erst einmal sacken lassen, denke ich. Mit größerer Distanz lassen sich viele Dinge ganz anders betrachten und einordnen." Sichtlich stimmig scheint Isaak mit dem zu sein, was er soeben geäußert hat: fast lächelnd sitzt er in dem Taxi, wohlwissend, dass auch er gleich zu Hause ankommen wird und das Leben wieder selbst in die Hand nehmen kann - und muss, so kann man sich vor bösen Überraschungen schützen. Während in Isaak noch Gedanken aufsteigen, wie er die vergangenen Erlebnisse um Ida und die damit verbundenen Vorfälle hätte verhindern können, schläft dieser darüber ein.

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Der Mentor
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Re: II. Jeder auf eigenen Füßen

Beitrag von Der Mentor » Montag 20. Januar 2020, 20:12

Trotz eurer numehr beinahe schon vierundzwanzig Stunden währenden Suche nach Ida Lechner seht ihr scheinbar noch passabel genug aus, um vom Fahrer ohne übermäßigen Argwohn befördert zu werden. Im Gegenteil - der, anhand des Dialekts unschwer als gebürtiger Berliner erkennbare Mittfünfziger wirkt ausgeschlafen und sichtlich gut aufgelegt.

Er wählt - wie die Ortskundigen unter euch zweifelsfrei bestätigen können - eine möglichst günstige Route, um euch ohne allzu lange Umwege an eure quer über ganz Berlin verstreuten Ziele zu befördern und verwickelt seinen Beifahrer Julius nebenbei im Plauderton in ein Gespräch über das lokalpolitische Tagesgeschehen, über Boxsport und natürlich über die Tatsache, dass Frauen einfach nicht zufriedenzustellen seien, ganz gleich was man auch versuche.

Beinahe zwei Stunden währt die Taxirundfahrt und, nachdem alle anderen sicher zuhause abgeliefert wurden, ist es schließlich Isaak, vor dessen Domizil das knatternde Gefährt ein letztes Mal zum Halten kommt. Ihm gebührt auch die undankbare Aufgabe, die auf dem Taxameter prangende, durchaus horrende Summe zu begleichen, für die ihr alle vorher zusammengelegt habt. Zum Glück - denn sein Barvermögen im Portemonaie hätte hinten und vorne nicht ausgereicht.

Noch sichtlich verschlafen nach dem zweistündigen Nickerchen, windet sich der Herrenbekleider aus Danzig aus einer der Hintertüren, um sich erst einmal ausgiebig zu recken und zu strecken und dabei herzhaft zu gähnen. Sein Magen knurrt und erinnert ihn daran, dass es schon bald Mittag ist und seine letzte Mahlzeit demnach gut fünfzehn Stunden zurück liegt.

Während das Taxi davon rollt, fällt sein Blick auf das Haus, in dem die Silbermanns nun bereits seit einigen Monaten eine Eigentumswohnung besitzen. Irgendwie wirkt es verändert, auch wenn Isaak nicht zu benennen vermag, inwiefern genau. Er atmet schwer, zupft seinen Mantel zurecht und fährt sich über den Schnauzer, dann wagt er zögerlich einen ersten Schritt in Richtung "zurück ins alte Leben".

... ob Rachel ihn wohl drinnen mit fragendem Blick erwartet?


[Ende???]
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